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Ödipedia

Zwischen Theater, Forschung und Unterhaltungssendung

Kandidat(in) einer Quizshow sein, ganz locker die Fragen beantworten und am Schluss freudestrahlend mit dem Gewinn nach Hause gehen – davon  haben wir alle doch schon einmal geträumt. Für Ödipus ist das ganze Leben ein Quiz: das Rätsel der Sphinx lösen, den Mörder seines Vaters finden, die eigene Abstammung ergründen. Die Liste wird nach und nach abgehakt. Doch während Ödipus auf der Bühne klar wird, dass er einen Mord begangen und seine Mutter geheiratet hat, stellt die Sphinx immer schwierigere Fragen. Die Antworten sind weder dem Publikum, noch den Figuren auf der Bühne bekannt – trotzdem sucht man gemeinsam nach der Antwort. Ödipus taumelt, Boten kommen zu spät, der blinde Seher überbringt das Urteil der Götter, große Staatsmänner haben ihren Auftritt und zum Schluss findet eine Heiligsprechung statt. Im Finale treten die klügsten Köpfe des Abends gegeneinander an. Angefeuert vom Publikum werden Begriffe gleichzeitig erklärt, gezeichnet, aus Schaum geformt und pantomimisch dargestellt. Und natürlich gibt es auch etwas zu gewinnen.

Inhalt? Schreib ihn dir doch selbst!

Ödipedia-LogoBasierend auf einem Urtext, der das Leben von Ödipus behandelt, konnte auf der Seite ödipedia.de (in einem sogenannten Wiki-System) jeder Internetnutzer den Text unserer Inszenierung erweitern, neue Rollen anlegen, Striche vorschlagen, oder seine Ideen auf einen Wunschzettel setzen. Der antike Mythos der Ödipusgeschichte, die beispielhaft für die Wahrheitsthematik ist, wurde mit Forschungsergebnissen zusammengeschnitten, Textpassagen entstanden und verschwanden wieder, der Text näherte sich den Interessen des potentiellen Publikums an. Ebenso wie Ödipus‘ Wissen um die eigene Identität, die er sich aus fragmentarischen Aussagen  verschiedener Personen zusammensetzt, entwickelte sich auch der Text aus Bausteinen verschiedenster Autoren. So ist der Königsstuhl ein weinrotes Sofa mit Alcantarabezug und der Seher heißt nicht Tiresias, sondern Fred. Nach mehr als vier Monaten haben wir die Metamorphose des Texts abgebrochen und eine Version festgelegt, die wir zur Aufführung bringen werden.

Thematische Schwerpunkte

Ödipedia ist eine großangelegte Kombination aus kollaborativer Forschungsarbeit und Theater. Schauspieler und Organisatoren näherten sich im Vorfeld der Probenarbeit gemeinsam den großen Fragen des Lebens – oder auch nur einem persönlichen Interesse. Dazu wurden zum Beispiel Experimente und Experteninterviews eingesetzt. Die Forschungsarbeit wurde per Videokamera begleitet und wird während der Aufführung immer wieder eingespielt.

Fragen die in Ödipedia untersucht werden sind unter anderem:

  • Gibt es nur „wahr“ und „falsch“ oder auch etwas dazwischen? Wie subjektiv ist Wahrheit?
  • Macht die Suche nach Wahrheit zwangsläufig unglücklich?
  • Was hat es mit Klischees wie „Kindermund tut Wahrheit kund“ oder „Im Wein liegt die Wahrheit“ auf sich?
  • In wieweit können wir sogenannten Experten vertrauen?
  • Wie ist das Verhältnis von Religionen zur Wahrheit?
  • Ist Ungenauigkeit = Lüge?
  • Wieviel Macht bedeutet Wissen um die Wahrheit? Gibt es Wahrheit in „den falschen Händen“?
  • Wann sind „Notlügen“ gerechtfertigt?
  • Warum ist der Begriff des „Verräters“, der Wahrheit über das unmittelbare eigene Umfeld hinaus verbreitet, negativ konnotiert?

Aufführungsdaten (Ort, Zeit, Datum, Ticketpreise)

Zu den Fotoshootings.

Zu Ödipedia.de (Text des Stückes lesen).

Zu den Downloads.

Kommentare

Kommentar von Annika
Zeit: 21. Juni 2008, 14:52:10

Also das Bild mit der großen Frage als erster Eintrag unter der Überschrift ‚Thematische Schwerpunkte‘ finde ich etwas irreführend. Bei uns geht es ja um die Frage nach den großen Fragen im Allgemeinen und diese ist doch ziemlich speziell.

Kommentar von Benedict
Zeit: 21. Juni 2008, 17:16:30

Das ist richtig. Ich hatte allerdings kein anderes Bild, dass auch nur einigermaßen gepasst hätte. Ich wollte unbedingt ein selbstgeschossenes und nicht irgendwas ausm Netz.
Vielleicht finden wir ja im Verlauf der Proben oder bei Fotoshootings etwas passenderes.

Pingback von Theater im Wikiformat | eduFutureBlog
Zeit: 30. Juni 2008, 09:58:45

[…] Ödipedia ist ein interessantes, experimentelles Projekt der Theatergruppe Antigone 2.0. Im zugrunde gelegten Mediawiki können interessierte Personen sich aktiv einbringen, um den Text der aktuellen Inszenierung mit zu bearbeiten. Der gleichnamige Komplex und damit die tiefenpsychologische Dimension steht nicht im Zentrum unserer Bearbeitung. Wichtiger ist die schicksalhafte Beschäftigung mit dem Wissen: Ödipedia ist eine Kombination aus gemeinsamer Forschungsarbeit und Performance. Schauspieler und Organisatoren nähern sich im Vorfeld der Probenarbeit gemeinsam den großen Fragen des Lebens – oder auch nur einem persönlichen Interesse. Dazu werden zum Beispiel Methoden der Feldforschung und Experteninterviews verknüpft. Einsätze in Bars (denn im Wein liegt die Wahrheit), Kirchen und Fußgängerzonen sind denkbar. Die Forschungsarbeit wird per Videokamera begleitet. […]

Kommentar von Marginal-Pop
Zeit: 21. August 2008, 22:33:14

Manueller Pingback:

Ein interessantes Projekt, dessen Name “Ödipedia” auch eine Internet-Mitmach-Sammlung zu den langweiligsten Sachen, die es gibt, sein könnte. Ist es aber nicht. Ziel des Projektes der Theatergruppe Antigone 2.0 ist es, Sophokles Ödipustragödien neu zu erfinden. Und zwar nicht alleine, sondern sie lassen auch andere für sich schuften: in einem Wiki kann jedeR den Urtext nach Belieben bearbeiten. […]

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