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Antigone 2.0

Interaktives Theater – Chat auf der Bühne

Antigone-Tastatur II

„Wer interaktive Interfaces erstellt, übernimmt soziale Verantwortung.“ (David Rokeby)

Diese übernehmen wir, denn der theatrale Raum wird – in der Piscatorschen Tradition des Medieneinsatzes als Vertretung des antiken Chores – zum Chatraum transformiert. Das heißt, dass zufällig ausgewählte Zuschauer in der Lage sind, das Bühnengeschehen per Live-Chat zu kommentieren, wann immer sie möchten. Die Handlung wird dadurch chorisch begleitet und das Publikum ist in der Lage, zu kritisieren, agitieren oder anzuklagen.

Die Verbildlichung der Schrift (vgl. Mike Sandbothe), die im Theater stattfindet, wird auf diese Weise umgekehrt – ein Prozess mit ungewissem Ausgang.

Inhalt – Bestattung mit Hindernissen

Offenes Grab

Polyneikes ist tot. Er hat seine Heimatstadt Theben angegriffen und wurde vor den Toren erschlagen. Folglich verbietet der dortige König Kreon, der Onkel des Toten, die Bestattung. Das Volk gehorcht dem Herrscher – bis auf eine Ausnahme: Antigone, die Schwester des Polyneikes.
Ihre Rebellion verursacht beim König einen Gewissenskonflikt: Sie ist nicht nur seine Nichte sondern zugleich die Verlobte seines Sohnes Haimon. Verschont er sie jedoch, steht er als König unglaubwürdig vor seinem Volk. Antigone, als Anhängerin alter göttlicher Gesetze und traditioneller Riten, ist nicht bereit, das königliche Gesetz zu akzeptieren, König Kreon kann nicht lernen einen Fehler zuzugeben, aus Angst sein Gesicht zu verlieren. Es kommt zum Drama.

Thematische Schwerpunkte

Kaum ein Stück wurde bereits so intensiv analysiert und bearbeitet wie die Antigone des Sophokles. Die Vorgeschichte bilden die „Sieben gegen Theben“. Es handelt sich um Adrastos, Amphiaros, Hippomedon, Kapaneus, Parthenopeus, Tydeus und Polyneikes, die die siebentorige Stadt Theben angreifen. Bei letzterem handelt es sich um den „rechtmäßigen Herrscher“, den Erstgeborenen des ehemaligen Königs Ödipus, der von seinem Bruder Eteokles aus Theben vertrieben wurde.

Die Sieben unterliegen den Thebanern und das Brüderpaar – Polyneikes und Eteokles – erschlägt sich gegenseitig. Nun setzt die Handlung von Antigone ein. Diese will nämlich beide Brüder – so wie es alter Brauch und göttliches Recht ist – bestatten, während König Kreon die Beerdigung des Angreifers Polyneikes verbietet. Klassische Interpretationen sehen in der Antigone hauptsächlich die Frage nach der Gewichtung von individuellen Moralvorstellungen gegenüber den Gesetzen des Staates. Auch der Überwachungsstaat, der ein permanentes unangenehmes Klima der Unterstellungen und Diffamierungen schafft, spiegelt sich im antiken Vorbild bereits wieder.

Gendertheoretische Ansätze, die in Antigone eine Vertreterin des Matriarchats und in Kreon des Patriarchats sehen, sind auch denkbar. In unserem Projekt wollen wir noch einen Schritt weitergehen und Antigone als Vertreterin der chtonischen (alten) Gottheiten sehen, die sich aber gleichzeitig zum Neuen hingezogen fühlt. Die Frage nach der „digitalen Spaltung“ der (antiken) Gesellschaft soll ebenso gestellt werden, wie die nach alternativen Familienkonzepten, die aus der Personenkonstellation um Ödipus und seine Kinder unmittelbar erwächst.

Genauso wichtig ist die Suche von Auswegen aus der vermeintlichen Auswegslosigkeit. Insbesondere werden neue Demokratiekonzepte (Stichwort: „Web 2.0“) hinterfragt, die durch „user generated content“, soziale Netzwerke und intuitive Interfaces nicht nur die digitale Kluft überbrücken, sondern auch Wegweiser für gesellschaftlich-politische Entwicklungen sein können.

Zu den Fotoshootings.

Zu den Proben.

Zu den Downloads.

Kommentare

Kommentar von Sophia
Zeit: 17. Juli 2007, 17:06:10

Lieber Beni, liebes Team Antigone 2.0! Ich weiß nicht, ob das das beste theaterstück aller Zeiten wid (möglich scheint es mir!), aber die beste Theater Website alles Zeiten habt ihr schon. Unglaublich! Klingt nach einem wahnsinnig tollen Projekt, ich bin wie 80 Mio. andere Menschen wahnsinnig neidisch, dass ich nicht mitmachen darf. Überlege aber noch intensiv wegen Sponsormöglichkeiten… Viele Grüße aus der Ferne, ihr seid die Kings! Sophia

Kommentar von Benedict Roeser
Zeit: 18. Juli 2007, 20:25:24

Vielen Dank, Sophia. :-)

Kommentar von Rothaendel
Zeit: 29. August 2007, 19:56:45

Die Sache scheint ordentlich zu werden. Sieht aus als ob ihr den richtigen MIX aus Spaß, Ernst und Energi auf bringt um es durchzuziehen!
Vielleicht schaut ich mir das hier noch mal in ein paar wochen an!

Kommentar von Benedict Roeser
Zeit: 29. August 2007, 21:25:34

Au ja, das würde mich riesig Freuen!

Kommentar von Renate Panke
Zeit: 04. Oktober 2007, 13:26:30

Großes Lob an Euch, dass ihr die Antigone im Stil des „Theater 2.0“ so professionell und engagiert auf die Bühne bringt! Toi, toi, toi…

Das Theaterblogportal http://www.theaterblogs.de hat nun unter http://theaterzweipunktnull.theaterblogs.de den ersten Blog zum Thema „Theater 2.0“ eingerichtet, auf dem natürlich auch Euer Projekt vorgestellt wird.

Wir hoffen auf spannende Diskussionen und noch genialere Visionen.

Beste Grüße
Renate vom Theaterblogs-Team

Kommentar von Benedict Roeser
Zeit: 04. Oktober 2007, 14:18:39

Vielen Dank! Ich bin gespannt auf die Diskussionen, die sich daraus ergeben werden!

Kommentar von Benedict Roeser
Zeit: 18. Oktober 2007, 18:06:06

Es gibt nun eine ausführliche Erklärung dazu, was Antigone mit dem Web 2.0 inhaltlich verbindet: http://www.antigone20.de/2007/10/18/individualitat-und-gesellschaft-im-web-20/

Kommentar von Familie Kochalski
Zeit: 23. November 2007, 21:50:43

Lieber Beni und Team,

wir haben Dich im Netz gefunden, ganz tolle Seite im Netz – super.
Zur heutigen Premiere, die z. Z. noch andauert, drücken wir alle Daumen und wünschen viel Erfolg. Herzliche Grüsse auch an Deine internationalen Gäste, besonders an die kompetente Dame aus Spanien – und eine fetzige Feier danach, egal ob mit oder ohne Beamer. Im Allgäu haben wir heute Schnee und Eisregen, sonst wären wir auch da, trotz der 12€!!
Toi, toi. weiter so!
Im Geiste verbunden
m+u+v+s

Kommentar von Benedict Roeser
Zeit: 24. November 2007, 11:23:20

Liebe Familie Kochalski,

Vielen Dank für die Glückwünsche!
Wir hatten eine tolle Premiere, die Gäste haben sich super unterhalten und die Feier danach war auch sehr schön. :-)

Liebe Grüße zurück ins Allgäu,
Benedict

Kommentar von Annika
Zeit: 28. November 2007, 22:33:24

Zitat: „…Die Handlung wird dadurch chorisch begleitet und das Publikum ist in der Lage, zu kritisieren, agitieren oder anzuklagen…“
Frage: war das Publikum wirklich „in der Lage“ zu kommentieren? Für mich als Nicht-Besucher sind die Kommentare eher ganz anderer Natur, wenig handlungsbezogen und schon gar nicht kritisch (was die Bühnenhandlung angeht).

Kommentar von Benedict Roeser
Zeit: 28. November 2007, 23:08:52

Aber sicher war das Publikum „in der Lage“ das Bühnengeschehen zu kommentieren. Zum Beispiel die Aufforderung an Hämon, nun endlich zu handeln, oder die Frage, ob Kreon nicht vielleicht Recht habe… Natürlich ist das Publikum nicht immer direkt auf die Handlung auf der Bühne eingegangen – das war allerdings auch in Ordnung so.

Kommentar von u4fifa
Zeit: 04. Juni 2016, 15:44:08

be a man

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