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Der letzte schreibt´n Blogeintrag

24. April 2009 (17:42:25) | Verschiedenes | Von: Martin

Ich bin der Vorletzte in der Maske und somit der letzte der sich auf den Weg macht. Während der Rest des Teams bereits fleißig aufbaut und sich womöglich ärgert, dass es sich zieht, habe ich mich noch schnell zu antiken Praxen des Auswendiglernens belesen. Über Platon, Cicero, Quintellian zu Anonymen Autoren war man sich einig: Reden und das memorieren der Rede ist eine Kunst, die, wenn sie beherrscht wird, dem Redner viel Lob und Ehre bringt. Auch wenn Quintellian den Schauspielern Scharlatanerie unterstellt, weil sie es nicht verinnerlichen. Doch es sei an dieser Stelle gesagt, dass nach, neueren und vor allem psychologischen Schauspieltheorien, das verinnerlichen von Texten unabdingbar ist für eine gelungene Leistung. Ich denke, dass wir im Rahmen der Arbeit am Text und vor allem der abgeänderten Form durch die User, eine intensive Textarbeit geleistet haben, die der Praxis eines für die Antike guten Redners in nichts nach steht. Zu ausgedeutet ist auch das Ödipus-Drama als das es da Probleme geben könnte. Mehr »

Karfreitag, Kapitalismus, Katharsis

10. April 2009 (22:31:40) | Proben | Von: Martin

Jesusstatue in Rio de Janeiro. Foto aus dem Urlaub des Regisseurs im März 2008.An dieser Stelle lohnt es sich, kurzerhand auf den heutigen Tag zu schauen! Was für ein Tag ist heute? Freitag: Ja; irgendein Freitag: nein; war es der vierte Probentag in Folge: auch! Doch heute war auch Karfreitag. Der wichtigste Feiertag des okzidentalen Kalenderjahres. Die Kreuzigung Jesu Christi jährt sich nun zum 1976. Mal (gehen wir davon aus das Jesus 33 Jahre alt wurde). Eigentlich ist dieser Tag dem Innehalten zugedacht, dem Sinnen über die Taten eines Mannes, der zur Zeit der Blüte Roms wohl ganz Mensch gewesen sein soll und an dem man sich ein Beispiel an Güte und Menschenfreundlichkeit nehmen sollte. Egal ob die Geschichten/Märchen über ihn stimmen, er bewegt mit seinen Taten trotzdem ca. 1,4 Mrd. Menschen weltweit. Doch obwohl der kapitalistischen Produktion ein bisschen Innehalten und Besinnen nicht schlecht tun würde, öffnen heute nicht nur soziale Einrichtung ihre Pforten, sondern auch die gesamte Menschbespaßungs-wenn-er-sich-selber-nicht-mühen-möchte-industrie: Restaurants, Tankstellen, Tabakläden, am Hauptbahnhof in Berlin ist sogar die gesamte dort ansässige Konsumerie geöffnet. Danke Geld, danke Rendite, danke Zinsen, danke Lückengeschäft an Feiertagen. Heil Kapitalismus für einen weiteren ruhelosen Tag, an dem du nicht Ruhe gönnst deinen Säulen, den menschlichen und moralischen. Mehr »

Arztpraxendekor? Künstlerbedarf!

13. März 2009 (13:42:31) | Verschiedenes | Von: Martin

Nicht nur Ärzte und Banken haben etwas zu Verbergen. Nein auch Künstler nutzen “Verbergen” gerne als bedeutungsaufgeladene Metapher und was wäre da besser als ein Lamellenvorhang. Schon Joseph Beuys hat das gewusst und öffnet in seinem Wahlkampfvideo für die Grünen seinen Bühnenvorhang aus Lamellen komplett und sagt so nein zu Reagan und politischen Machenschaften die sich vor der Öffentlichkeit verborgen in abgeschlossenen Räumen ereignen. Mehr »

“Dieser Körper ist doch nicht wegzuleugnen,…

03. März 2009 (14:40:15) | Proben | Von: Martin

…und trotzdem kann er nicht gedacht werden, es kann alles um ihn  herum gedacht werden, aber nicht dieser Körper. Und ich halte an der Auffassung fest, dass er wirkt, ohne dass er gedacht werden kann.”

Rene Pollesch’ “Tod eines Praktikanten”

Sprechen, bewegen, schreien, rennen, heulen, hüpfen – Ich bin kein professioneller Schauspieler, meine Authentizität ist die eines Laien – mein sprechen, bewegen, schreien, rennen, heulen, hüpfen, ist meins! Es ist an mich gebunden, an meinen Körper, so wie er ist. Hätte ich nur ein Bein mein Hüpfen wäre ein anderes als mit zwein, aber immer noch meins.

Wieso ich das schreibe? Wieso ich darauf bestehe? Bei dem gestrigen Stimmtraining und der Leseprobe wurde mir dieses einfach noch mal in vielerlei Hinsicht bewusst. Mehr »

Das hätte ich gerne…

12. November 2008 (17:48:00) | Proben | Von: Martin

Lesen unter Anleitung oder einfach Leseprobe:

So ist es! und nicht anders wie man meinen könnte: Der Schauspieler ist und bleibt ein Werkzeug des Regisseurs. So wurde der Dienstagabend ein Abend der Imperative und Diktionen, ein Abend des SO und nicht anders. Benedict und ich haben uns in einer intensiven vierstündigen Leseprobe mit dem Text von Ödipus im Prolog, der 1. Szene und Teilen der 2. Szene beschäftigt, in Prozenten also mit 1/4 des Textes. Wir achteten peinlich genau auf jedes Wort – denn so muss es ja auch sein – und erarbeiteten für jede Szene und jeden Dialog ein Persönlickeitsprofil Ödipus’. Heraus kam ein vielschichtiger Ödipus.

Ein wissensnimmersatter Ödipus der sich mit den Fragen seine Vergangenheit ungern selbst auseinandersetzt und alles sofort wissen muss und notfalls auch mal von einem sprechendem Fahrrad Informationen bezieht. Dabei schreckt er nicht vor den simpelsten Fragen zurück. Wir erarbeiteten einen wortgewandten Ödipus der mit großer Rhetorik die Geschicke Thebens versucht in den Griff zu bekommen. Dabei wirkt er ganz wie seine real gegenwärtigen Gegenstücke in der Politik, die für alles den verbalen Masterplan haben. Wie eine Neujahrsansprache eines Staatsoberhauptes muten die Monologe vor Thebens Einwohnern an und es wird in großen Worten vom Zusammenhalt geredet. Letztlich ist Ödipus nicht nur Oberhaupt eines Staates sondern auch Oberhaupt einer ganzen Familie und kommt hier nicht um “Wohnzimmer”-Stänkereien mit dem Schwager und der Gattin herum, die wie in jedem x-beliebigen deutschen Haushalt natürlich und grundsätzlich gegen Ödipus sind. Das man bei diesen multiplen Ansprüchen, die die Gesellschaft an einen stellt nicht immer bei klarem Verstand bleiben kann, erscheint in letzter Konsequenz nur allzu natürlich und lebensnahe.

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