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AntikEkstase – Tag 1: Der Rausch des Dionysos

04. Juni 2010 (09:33:15) | Neuigkeiten | Von: Vinzenz

Szene aus Der Rausch des Dionysos, Foto vom 03.06.2010Ein Gott im Blättergewand, der unter den Zuschauern wandelt und (echten) Wein ausschenkt. Ein apathisch wirkendes Mädchen im weißen Kleidchen, dass immer wieder und wieder das selbe, angstvolle Lied vor sich hinsingt. Ein antiker Hannibal Lecter, der, auf einem umgestürzten Baumstamm turnend, über den Umgang mit dem Tod und den Toten philosophiert. All das und noch viel mehr war Der Rausch des Dionysos, von Eric Nikodym und Aninia Schwanhäußer mit Anwohnern der Brotfabrik und Schauspielern von außerhalb erarbeitet und heute zur Eröffnung der ANTIKEKSTASE aufgeführt; — vor über 100 Besuchern – mehr als erwartet! Natürlich fand trotzdem jeder letztlich noch ein Plätzchen. 😉

Wer nicht dabei war, hat definitiv etwas verpasst; das wird sich im Laufe dieses Rückblicks deutlich zeigen. Das Dargebotene zu beschreiben fällt schwer; — aber das ist gut so. Hierin liegt bereits ein Teil des besonderen Reizes.

Zur Eröffnungsveranstaltung wurden alle geeigneten Räume der Brotfabrik zu Spielorten umfunktioniert und für den großen Abend umgestaltet: Gänge wurden abgedunkelt, Türen ausgehängt und durch Vorhänge ersetzt, und ganze Zimmereinrichtungen abtransportiert, um sie durch eigene Requisiten zu ersetzen.

So wurde die gesamte Brotfabrik für einen Abend zu einer Galaxie aus in sich geschlossenen Erlebniswelten, zwischen denen die Besucher nach einem gemeinsamen Auftakt im Hinterhof frei wechselten. Gemeinsam hatten die einzelnen Räume nur eins: In jedem wurde inbrünstig gespielt, und unter den Zuschauern gab es wohl keinen, den die unkonventionellen Szenen nicht in in ihren Bann gezogen hätten.

Szene aus Der Rausch des Dionysos, Foto vom 03.06.2010Somit konnte Der Rausch des Dionysos all seine Ziele verwirklichen: Er hob — zumindest für einen Abend — Grenzen auf, sprengte — in den Köpfen vieler beeindruckter Besucher sicherlich länger als für einen Abend — Konventionen, und bildete natürlich einen grandiosen Auftakt zur ersten AntikEkstase.

Mit Spannung dürfen wir nun den nächsten Tagen und den Beginn der 3 Programm-Reihen entgegen blicken.

Wer den Rausch des Dionysos verpasst hat: ALEX zeigt zu folgenden Terminen Impressionen der Aufführung und der Festivaleröffnung:

  • Heute, Freitag, der 04.06.2010, 19.30 Uhr
  • Samstag, der 05.06.2010, 20.00 Uhr
  • Sonntag, der 06.06.2010, 13.00 Uhr

Kommentare

Kommentar von Martin
Zeit: 05. Juni 2010, 13:17:48

Angerauscht,

mit knappen 100 Leuten, drängte ich mich durch die verengten Gänge der Brotfabrik, fläzte mich zum Weintrinken in einen Salon, um dann zum nächsten Happening zu wandeln, bei dem ich mich zwischen 20 Leuten auf einem belaubten Waldboden aus Zeitungen niederließ und einer Selbstanklage zu Trieben lauschte. Um am Ende („geografisch“) wieder am Anfang, dem Innenhof der Brotfabrik, zu sein, aber leider ohne die Schwelle zum Rausch der Gegenwart übertreten zu haben, ich kam also wirklich zum Anfang zurück. Dennoch meinte ich sie kurz zu spüren, ein latenter Moment, in dem ich die Gegenwart als solche, unvermittelt, eben gegenwärtig, spürte. Doch das konnte sich nicht konkretisieren.
Mir gefiel die Idee einer kleinen dionysischen Welt, die sich auch als performativer Raum in den geometrischen Raum einschrieb, wirklich gut. Dass es so viele Teilnehmer (Zuschauer ist schon nach der kurzen Einleitung nicht mehr das richtige Wort) waren, verstärkte den festlichen und entrückten Charakter der Inszenierung. Eine Art Lustwandeln, nicht in der Antike, sondern vielleicht in so etwas wie einer surrealen Landschaft, bei der man hier und da sich niederließ, um anderen dabei zu zuschauen/hören was sie taten/sagten. Mir war gar nicht so wichtig, was sie sagten, vermutlich hätte ich es eh in einer anderen Darbietungsweise schon mal gehört, zum dem hätte es mich wieder in den Logos zurückgeworfen, wichtig war nur Wie. Und das war vom Ansatz her schön gedacht, nur leider zu kurz. Ich will nicht sagen, länger hätte mich einer konkreten Schwellenerfahrung näher gebracht, nein, aber ich hätte die entrückte Zeit und den entrückten Raum länger genießen können.

Für die ANTIKEKSTASE war es jedenfalls ein wunderbarer Auftakt. Ein Knall, quasie.

Kommentar von Benedict
Zeit: 09. Juni 2010, 11:57:34

Hey Martin,

Vielen Dank für diese ausführliche und differenzierte Sicht auf den Rausch des Dionysos! :-)

Liebe Grüße,
Benedict

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