Aufbruch aus Troja
Was wäre wenn Helena, Hekabe, Andromache und Kassandra (Darstellerinnen: Lucia Chiarla, Antje Görner, Christine Stienemeier, Sara-Hiruth Zewde) heute mit einem kaum seetüchtigen Kahn nach Europa fliehen und in einem italienischen Auffanglager landen würden? Von dieser absurd anmutenden Ausgangssituation aus zeigt das Teatro Instabile Berlino im Ballhaus Naunynstraße den Umgang mit Flüchtlingen – ein Wort, dass zunächst ausgiebig definiert werden muss – eine Pressekonferenz von Frontex, Erzählungen aus dem Bürgerkrieg und wie man es schafft, Helena nach Europa zu bringen, die anderen Frauen jedoch zurückzuschicken.
Das geniale dieser geistreichen Inszenierung namens „Aufbruch aus Troja“ ist sicherlich, wie ernst die Verschmelzung der mythologischen mit der zeitgenössisch-politischen Ebene genommen wird. Es wirkt brechtisch-verfremdet, wenn Odysseus (Uwe Schmieder) gemeinsam mit einem Soldaten (Christian Schmidt) Frontex leitet, die stolze und schöne Helena sich nackt auszieht, um die Einheitskluft des Aufffanglagers anzulegen, Andromache geraten wird, sie solle „Opfer spielen“, das könne sie doch, nur dann habe sie eine Chance in Europa aufgenommen zu werden. Während immer wieder originale Anweisungen, Dokumente und Presseerklärungen verlesen werden (“Die schärfste Waffe ist ihr Papier“) bauen sich die Flüchtlinge aus Europaletten ein Floß oder ein Lager, die Hoffnung auf Europa, dort in Ruhe essen, trinken, schlafen ein Kind groß ziehen zu können, verglimmt auch dann nicht, wenn die Rückkehr ins Krisengebiet schon beschlossene Sache ist. Mehr »

Die
Was war das für eine Stimmung, 2006 bei der Fußball-WM! Deutschland im Ausnahmezustand, in Feierlaune! Und was war das ANTIKEKSTASE-






