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Versprecher und Versprechen

05. April 2009 (11:13:01) | Proben | Von: Annika

Es lag am Wetter. Bestimmt. Die gestrige Probe war von einer allgemeinen Albernheit geprägt. Wenigstens, was uns Schauspieler anging. Bei so schönem Wetter in einem Wohnzimmer um einen Lamellenvorhang zu tanzen, ist einfach nicht wirklich verlockend. Unser Big Boss war natürlich etwas weniger begeistert, dass ihm zu Probenbeginn um 13Uhr ein eher unkonzentrierter, hungriger Haufen gegenüberstand, der erst einmal lautstark nach Pizza verlangte… Doch ein guter Regisseur weiß, wie er seine Truppe besänftigt und ließ uns erstmal bestellen. Bis die duftenden Schachteln ankamen, war auch die Probe des 1. Stasimon ziemlich weit fortgeschritten und ich, die hier einfach zuhören darf, bin sehr begeistert. Wer wissen will, warum, der klicke auf …

Die Handpuppen des Ödipedia-Chors in der 2. Szene des 2. Teils. Foto vom 04.04.2009.Waren die Chorstellen doch die Passagen, die ich die längste Zeit mit großer Skepsis betrachtet habe, so muss ich jetzt zugeben, dass es toll klingt, wenn sie von 5 SchauspielerInnen synchron gesprochen werden. Damit das klappt, muss der Text natürlich perfekt sitzen, und genau das hat gestern zu heftigen Flüchen, verzweifelten Gesten und langen Gesichtern bei allen geführt, denn jede Passage hat ihre Tücken und wenn man annimmt, dass 7 Personen in 8 Strophen jeweils eine ganz persönliche Schwachstelle haben, sei es eine falsch gelernte Atempause, ein Wort, das nicht über die Lippen kommen will oder ein überflüssig ausgesprochener Buchstaben (ja, auch das gibt es!), dann macht das 56 Fehlerstellen, die ausgemerzt werden müssen, noch bevor die 2. Szene beginnt!

Es ist kaum zu glauben, aber wir haben es tatsächlich geschafft. Und Beni (und uns selbst) versprochen,  den Text bis zur Generalprobe im Schlaf zu können. Toi! Toi! Toi! Er war im Gegenzug so freundlich, uns von einem großen Maß an völliger Verwirrung zu befreien und endlich die Bewegungen des Chores vom Anfang bis zum Ende mit uns abzusprechen und dabei die Positionen aller Charaktere zu notieren.  Denn Beni hatte zwar schon lange ein tolles Chorkonzept im Kopf, doch so richtig vorstellen konnte sich das von uns wohl bis vor wenigen Tagen keiner. Nach einer halben Stunde Grübeln und Ausprobieren, wer bei welchem Text vor/neben/zwischen wem stand, kam unser Regisseur auf die geniale Idee, Maikes Textbuch hervorzugraben, das ohne unser Wissen still im Nebenzimmer lag und sämtliche notwendigen Notizen bereits enthielt. Sein Kommentar: „Das hätte ja alles viel schneller gehen können, wenn ich den Text früher geholt hätte!“  Tja, in der Tat… 😉

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