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Offenbarung 2.0: Über den Anfang des großen Zeitenwandels

02. April 2009 (09:41:02) | Veranstaltungshinweise | Von: Benedict

Bild: Offenbarung 2.0Die Offenbarung des Johannes hat ausgedient, in Zeiten in denen Gott vom Geld abgelöst wurde. Eine Offenbarung 2.0 muss her, eine aktuellere, eine, die auch noch gültig ist, wenn man sich in 300 Jahren an das 21. Jahrhundert zurückerinnert. Bertram, Frank und Herbert leben im 21. Jahrhundert und sind pleite. Nicht nur so ein bisschen „Aaaach je, jetzt ist ja erst der neunundzwanzigste und ich hab erst wieder ab dem ersten Geld auf dem Konto, wie soll ich denn dann morgen clubben gehen?“-Pleite, sondern so richtig, richtig pleite. Sodass sie sich sogar für die „Loser-Show“ casten lassen, bei der man auspackt darüber, wie wenig man verdient, seine Lebensumstände vor dem Publikum ausbreitet und wenn man gewinnt bekommt man – nichts. Nur der Verlierer bekommt 25 Euro, damit es dem Gewinner noch ein bisschen schlechter geht.

Bertram hat Frank 400 Euro geliehen. Bertram teilt nämlich immer alles, sein Geld, seine Drogen, … und trotzdem hat er jetzt, wo er ganz unten angekommen ist keine Freunde mehr. Frank gibt die 400 Euro natüüüüürlich zurück. Nach vier Wochen, wie vereinbart. Wenn man das Geld vorher braucht, sollte man es auch nicht verleihen. Herbert verleiht überhaupt kein Geld, er hat damit schlechte Erfahrungen gemacht. Herbert macht sich eine abgelaufene Nudeltütensuppe [Bild links: Offenbarung 2.0] nebst einem halben Glas Multivitaminsaft, einem Apfel und einer Banane (vermutlich gegen Skorbut) und bereitet dann seinen Vortrag darüber vor, dass sich in der Arbeitswelt unserer Wissensgesellschaft der ganze Mensch (Körper, Geist, Emotion, Spiritualität) einbringen sollte und die Vorstellungen aus dem Industriezeitalter überholt seien.

Bei dieser Inszenierung fragt man sich, was ist Ironie, was möglicherweise dokumentarisch, was ist ernst gemeint – und gerade als es heißt „Das ist jetzt keine Ironie“, kommt einem alles unglaublich komisch vor. unitedOFFproductions fangen ein ganz bestimmtes Gefühl unserer Generation ein. Zwischen Galgenhumor und Fatalismus. Die fantastischen Schauspieler lockern das Ganze mit gelegentlichen Gesangseinlagen auf. Dabei tun sie nicht nur, als könnten sie gut singen, sondern können es wirklich, eine Seltenheit. Eine politische, eine amüsante, eine kontroverse Inszenierung. Mit tollen Schauspielern (David Jeker, Marco Wittorf, Michael Ulfik) und tollem Licht (Hans Fründt). Das kommt gut an, das Publikum im Theater unterm Dach war begeistert. Wer es sich ansehen möchte, heute (02.04.2009) um 20 Uhr, sowie am 16./17. Mai und am 20./21. Juni 2009 im Theater unterm Dach.

Kommentare

Pingback von helmholtzplatz.de - notizen aus prenzlauer berg - » Theater unterm Dach: OFFENBARUNG 2.0
Zeit: 11. Mai 2009, 01:08:31

[…] „unitedOFFproductions fangen ein ganz bestimmtes Gefühl unserer Generation ein. Zwischen Galgenhumor und Fatalismus. Die fantastischen Schauspieler lockern das Ganze mit gelegentlichen Gesangseinlagen auf. […] Eine politische, eine amüsante, eine kontroverse Inszenierung.“ (Benedict Roeser in http://www.antigone20.de) […]

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