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Ein Blumenstrauß der Emotionen

28. März 2009 (20:56:08) | Veranstaltungshinweise | Von: Benedict

Blumenstrauss. Bild: sxc.huCelebration, das Avantgarde-Musical, das derzeit im Kulturhaus Spandau zu sehen ist, es ist fantastisch! Gestern war ich mit Annika drin und wir hatten beide selten so viel Spaß in einem Musical. Die Band unter erstklassiger Leitung von Lili Sommerfeld, der Chor, die Solisten… Diese Musik! Diese unglaubliche Musik, die man nicht nur auf dem Nachhauseweg ganz automatisch vor sich hin summen muss, sondern bei der man auch – auf angenehme Art und Weise, d. h. ohne Schunkeln oder „Und jetzt alle!“-Rufe – zum Mitsingen aufgefordert wurde, diese Musik war ein Blumenstrauß der Emotionen: Action, Melancholie, Erotik und Klamauk.

Dabei wurde auf der Bühne getrommelt, von Leitern gesprungen, aus dem „echten“ Fenster gebrüllt, man wolle sich umbringen. Es wurde getanzt, geprügelt und natürlich aus Leibeskräften gesungen. Die Inszenierung ist ausschließlich mit hervorragenden Schauspielern besetzt, am meisten überzeugt hat mich allerdings Elisabeth Heller als flugunfähiger Engel (u. A. mit dem Song „Ich will ein Star sein“).

Etwas besorgt gestimmt hat mich, dass einige Regieeinfälle (Regie: Martin Berger) von Celebration und Ödipedia sich ähneln. Beispielsweise eine Szene mit Handpuppen durch einen Vorhang, eine weitere mit einer Taschenlampe, die von unten ein Gesicht beleuchtet. Natürlich werden wir versuchen, nicht exakt die gleichen Bilder aufzubauen und wenn dennoch ein, zwei Stellen kopiert wirken (was sie nicht sind), so möge das Publikum uns verzeihen und sich lieber an die originellen Einfälle erinnern. Derer gab es in Celebration übrigens eine ganze Menge. Ich will nicht zuviel verraten, denn man muss es einfach gesehen haben, die Beschreibung alleine reicht nicht aus, um zu verstehen, was Celebration ausmacht. Sand, der plötzlich von weit oben auf einen glatzköpfigen, alten Mann rieselt, ein absurder Kariokatanz mit goldenem Hütchen zu Karnevalsmusik, ein Spiegel, der in Wirklichkeit ein Fernseher mit Liveübertragung eines anderen Schauspielers ist, das „Aufpumpen“ eines fast leblosen Körpers…

Überrascht hat mich, wie viele religiöse Gedanken in diesem Stück thematisiert werden. Neben dem Zitieren des Hohelieds, neben Adam und Eva im Paradies, neben Potemkin, der einmal Priester war steht permanent der Satz im Raum „Gott ist tot. Sein rotes Blut klebt an Darwin, Marx und Freud“ (oder ähnlich) Auch ein philosophischer und ein aktuell-politischer Kontext wird aufgespannt. Eine rundum gelungene Inszenierung, über die man sich noch lange nach der Aufführung erfreuen und Gedanken machen kann.

Weitere Termine: 29. / 30. März 2009, 3. / 4. / 5. April 2009, jeweils 20:00 Uhr im Kulturhaus Spandau, Berlin

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