Der Flüchtling als Krabbe
Wer in der Berliner Zeitung im Dezember den folgenden Ausschnitt gelesen hat, hat sich sicher gefragt, wie das ganze auf der Bühne aussehen wird: Ödipus muss seitwärts laufen wie eine Krabbe, [...]. Martin findet das reichlich anstrengend, außerdem ist die Hose zu eng. “Denkt euch bitte die Scherengeräusche dazu, ich hab jetzt keine Kastagnetten dabei”, sagt Regisseur Benedict Roeser. “Das hat alles einfach auch gelegentlich gar keinen Sinn”, sagt Ödipus, während Benedict überlegt, ob er ihn das Buch “Im Krebsgang” vor sich her tragen lässt.
Am Sonntag haben wir die Krabbenszene mal wieder geprobt – diesmal im Kontext mit dem Parodos und der 1. Szene des 2. Teils. Dadurch ist es allerdings auch nicht weniger wirr geworden. Und nach der Probe ist mir aufgefallen, dass ich die Krabbenfotos nie online gestellt habe. Hier sind sie – mit einer kurzen Erläuterung zum tieferen Sinn des ganzen.
Das Hikesiethema ist im Parodos des 2. Teils von Ödipedia entscheidend. Um den Bogen zur Gegenwart zu schlagen, habe ich die Flüchtlingsschiffmetapher eingeführt: Der erste Kontakt eines Flüchtlings findet oft mit Vertretern des Staates des “gelobten Lands” in einem militärischen Kontext statt. Die entscheidende Frage für mich ist, ob ein tatsächliches Interesse der jeweiligen Autoritätspersonen (bei uns durch den Chor verkörpert) am Reisebericht, dem familiären Hintergrund und den Gründen für die Flucht aus dem Heimatland vorliegt, wie groß dieses Interesse ist, ob und wie es geäußert wird und warum es überhaupt besteht. Diese Fragen werden bei uns dadurch illustriert, dass der Chor die Macht Athens durch einen militärischen Parademarsch darstellt, während Ödipus in der Körperhaltung einer Krabbe auf und ab geht und seine Geschichte erzählt. Die Krabbe zeichnet sich dadurch aus, dass sie aus dem Meer an den Strand kommt, klein ist, eine – in ihrem Heimatland sinnvolle Verteidigungsvorrichtung (die Scheren) besitzt, die gegenüber Menschen jedoch nicht besonders wirkungsvoll sind und natürlich dadurch, dass sie seitwärts läuft.
Die Wandlung von Ödipus zur Krabbe folgt einer genauen Choreographie. Sehr bewusst haben wir uns gegen eine stehende Krabbe (Bild links) und für die sitzende entschieden. Ödipus sitzt bereits zu Beginn des Parodos auf der Bühne. Er möchte sich vom anstrengenden Weg von Theben nach Kolonos ausruhen, so seine Worte (Bild unten). Im Zwiegespräch mit dem Chor zeigt sich, dass er trotz Vertreibung aus der Heimat, Blindheit und Erschöpfung seinen alten Stolz noch nicht verloren hat – aus der Aufforderung, den heiligen Ort zu verlassen und sich woanders hinzusetzen wird ein Twister-Wettstreit: Dem “heiligen Pythagoras” folgend setzt Ödipus seine Hände und seine Füße an verschiedene Punkte auf dem Boden und geht am Schluss als Sieger hervor, bis er beginnt seine Leidensgeschichte vorzutragen. In diesem Moment wird die Scheinhaftigkeit des Sieges offenbar, der Chor zeigt seine wahre Macht und Ödipus Worte gehen im Lärm des Parademarschs unter.
Zuletzt erfolgt die Aufnahme des Flüchtlings aus politischem Kalkül. Diffuse Hoffnungs- und Wunschvorstellungen des Volkes, sowie die tiefe Religiosität der Koloner werden von Theseus geschickt genutzt um den eigenen guten Ruf zu wahren.

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Auf Partyfotos sieht man meist ziemlich belämmert aus. Aber es gibt noch eine Steigerung: Partyfotos mit lustigen Hüten. Und wem das noch nicht lächerlich genug ist, der braucht die volle Dröhnung, den Superlativ unter dem peinlichen Bildmaterial: Partyfotos mit lustigen Spongebob*-Hüten!






