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Flüchtlingsschiffe, Mauerschau und Kermit der Frosch

07. Januar 2009 (18:35:28) | Proben | Von: Benedict

Die Probe am Sonntag war kürzer als erwartet – nur vier Stunden waren wir im Theaterhaus Mitte zu Gange. Grund: Martin hat gefehlt und war auch nicht auffindbar. *grummel* Das hat uns zwar etwas ausgebremst, aber wir haben dennoch Fortschritte gemacht.

Zunächst haben wir die 3. Szene des 2. Teils geprobt. Stefan hat Martin als Ödipus vertreten. Sophia war erstmals als Theseus im Einsatz. Ich habe sie ab und zu damit gequält, dass sie mit amerikanischen Akzent sprechen sollte – was noch verbesserungswürdig ist. Positiv dagegen ihre Mimik. Ich weiß nicht, ob es für das Gefühl „Schmerz darüber, auf die einzige Schwachstelle in der eigenen Argumentation hingewiesen zu werden“ einen Namen gibt, aber sie beherrscht den dazu passenden Gesichtsausdruck perfekt. 😉 Leider gibts davon kein Foto.

Danach ging es weiter mit der 5. Szene des 2. Teils. Alessa und Lisa haben sich anfangs etwas schwer damit getan, aber auch hier sind wir sehr gut vorangekommen.

Die Arbeit an der 1. Szene des 2. Teils habe ich mit einigen theoretischen Anmerkungen eingeleitet. Hauptsächlich über Flüchtlingsschiffe. Das war vielleicht ein Fehler (wie man an den Fotos der mir andächtig lauschenden Schauspieler erkennen kann…). Aber am Ende haben dann doch alle verstanden, wie die Szene ablaufen soll. Am Anfang marschiert der Chor im Hintergrund auf und ab. Aus dem archaischen Chor, der sich im ersten Teil recht planlos mit dem Fremden – der Sphinx – auseinandergesetzt hat, ist ein organisierter Chor geworden. Die Taktik hat sich aber – trotz einiger Umwege über Religion und Flucht – nicht weiterentwickelt und somit bleibt die Familiengeschichte von Ödipus und Antigone, die sie in dieser Hikesieszene vortragen, unbeachtet. Und dann tritt ein Drache auf. Dieser Drache ist aber gar kein echter Drache, sondern die Sphinx unter einer Maske. Interessant hieran ist, wann die Sphinx von Theben nach Athen gebracht wird – nämlich in dem Moment, in dem Ödipus von den Streitigkeiten seiner Söhne Eteokles und Polyneikes erfährt. Da der Erbfluch Ödipus nach Athen folgt – überbracht von Lisa als Botin – folgt natürlich auch die Metapher der Sphinx.

Die einzige, die den vermeintlichen Drache zu seiner ursprünglichen Form überführen kann, ist die feinfühlige Antigone – „Hex, hex!“. Es folgt, dass Ödipus den Eumeniden (die einmal Erinyen gewesen sind und in deren heiligem Hain er sich befindet) ein Trankopfer spenden will – dabei aber die Opfergaben selbst trinkt. Das Trinken des Opfers für die „unteren“, chthonischen Götter ist ein klarer Verweis auf seine spätere Heiligsprechung durch die „oberen“, olympischen Götter. Die Szene endet damit, dass Ödipus durch Theseus Asyl gewährt wird: „Okidoki!“

Ich kann meinen Schauspielern nicht verübeln, dass sie auch manchmal nicht mehr durchblicken. Aber am Ende wird alles ganz großartig, klar und schön. :-)

Kommentare

Kommentar von Benedict
Zeit: 07. Januar 2009, 18:37:09

Jetzt hab ich Kermit den Frosch, der in der Überschrift erwähnt wird, gar nicht angesprochen. Folgt im nächsten Blogeintrag.

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