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Jahr: 2008

Ich bin ja nackt!

16. Dezember 2008 (14:59:29) | Proben | Von: Benedict

Johanna hat ja bereits ausführlich über die Probe am Sonntag berichtet. Ich habe heute noch ein paar Bilder ergänzt – Fotos von der Weihnachtsfeier folgen in Kürze.

Für mich war das absolute Highlight der Probe Stefans Umgang mit den Handpuppen. Zunächst hat er versehentlich mit der “Brötchenhand” gespielt, statt mit der Handpuppe (Das kommt davon, wenn man während der Proben isst!) und später der Lacher des Tages: Stefan hat seine Handpuppe ganz vergessen und hält nur seine Hand – ohne Puppe – in die Luft: “Huch! Ich bin ja nackt!”

Ansonsten muss ich sagen, dass mir die Probe etwas zu zäh war. Wir müssen dringend schneller vorankommen. Naja, im neuen Jahr wird alles besser. ;-)

Legenden der Leidenschaft, Kasperletheater und Lederaffen!

15. Dezember 2008 (02:08:09) | Proben | Von: Johanna

Unsere heutige Probe fand, zu meiner großen Freude, erst 15 uhr statt. Erstaunlicherweise haben es auch alle recht pünktlich geschafft (Die 5 Minuten – verspätungen lagen nur an dem frecherweise wegschnappen des letzten Salamibaguettes beim Bäcker!).

Zu meiner Überraschung, es muss wohl besprochen worden sein, als ich nicht da war, packte Lisa ihre selbstgebastelteten Kasperle Puppen aus. Da die 2. Szene des 2. Teils ohnehin einen sehr, sagen wir humorvollen Touch, bekommen hat, fanden wir es eine interessante Herangehensweise, dies mit Puppen zu verstärken. Also schnappten sich einige Darsteller dieser Szene ihre Puppen und Kreon und Antigone, alias Maren und Alessa, blieben in ihrer natürlichen Schönheit auf der Bühne.

Nachdem ich anfängliche Bedenken hatte, es könne mit Handpuppen etwas sehr albern wirken, stellte sich doch heraus, dass das Konzept ziemlich gut funktionierte. Auch das Zusammenspiel zwischen den “Realen Schauspielern” und den Puppen funktionierte erstaunlicherweise gut. Ein wichtiger Punkt in dieser Szene ist allerdings die Umsetzung eines der Wünsche aus der Wunschliste: Der Kuss. Während Antigone sich bei ihrem Onkel herzlichst für ihre Rettung bedankt, bekommt Kreon einige Höhenflüge und küsst Antigone leidenschaftlich auf den Mund. Diese Szene musste natürlich mehrmalig wiederholt werden. So ein Theaterkuss möchte ja auch geübt sein. Mehr »

Das göttliche Haupt der Iokaste liegt am Boden

10. Dezember 2008 (17:53:12) | Proben | Von: Benedict

DER BOTE
Schnell ist es ausgesprochen und zugleich gehört, das schwere Wort: Tot ist sie, am Boden liegt Jokastes göttlich Haupt. Das göttliche Haupt der Jokaste liegt am Boden. Tot ist sie, das schwere Wort ist schnell ausgesprochen und ihr hört es zugleich, dass Jokastes göttliches Haupt am Boden liegt, weil sie tot ist, weil ihr Haupt, das göttlich war, unten, am Boden, liegt, so wie man hört. Wie ihr hört und zugleich gesprochen wird von mir, damit ihr es gleichzeitig, gleichsam hört, wenn… Das Haupt… liegt… Boden… ausgespr… ausgespr… ausgesprochen ist gehört und dreimal schwarzer Kater… am Boden. Einsatz bitte!

Was macht man aus so einem Text? Nach einer intensiven Einzelprobe mit Lisa letzte Woche haben wir es geschafft, aus diesem unnatürlichen sperrigen Konstrukt etwas sehr Interessantes zu machen – und es hat sich herausgestellt, dass dieser Part bei der Probe am letzten Sonntag erstaunlicherweise auch noch besonders gut lief. Ich bin davon überzeugt, das wird eine Stelle, bei der die Zuschauer den berühmten “Funken überspringen” fühlen werden – auch wenn natürlich noch ein hartes Stück Arbeit vor uns liegt :-)

Auch sonst verlief die Probe relativ erfolgreich: Wir haben die 3. Szene, das 4. Stasimon, sowie die 5. Szene des ersten Teils angeprobt. Johanna hat meine Idee einer von den anderen Figuren sehr unterschiedliche Iokaste (die ich nicht so sehr als Handlungsträgerin, sondern viel mehr als vielfältige, intelligente Persönlichkeit, die über den Geschehnissen steht zeigen möchte) bereits ansatzweise umgesetzt. Die Sache wird zwar nicht einfach, aber ich bin mir sicher, dass sich auch das als gute Idee erweisen wird. Mehr »

Der gute König Ödipus

10. Dezember 2008 (09:00:47) | Veranstaltungshinweise | Von: Benedict

Bei Ödipedia werden von Anfang bis Ende immer mindestens 6 Personen gleichzeitig auf der Bühne stehen. Mindestens! Es gibt 18 (achtzehn) Sprechrollen und weitere 9 stumme Rollen. Das bedeutet, dass beispielsweise Alessa und Stefan drei Rollen zu spielen haben. Dieser Wahnsinn ist teils konzeptuell bedingt – wenn der Fokus auf dem Umgang mit Wissen liegt, kann diese Pluralität nur hilfreich sein – und teils durch die Textbearbeitungsphase im Vorfeld (Ich erinnere: Über vier Monate lang konnten beliebige Personen online am Text unserer Inszenierung mitschreiben). Manchmal ist diese Vielfalt für mich als Regisseur angenehm, manchmal aber auch nervig (Stichworte: Probenplan. Stereotype Minirollen. Unruhige Szenen.)

Erfrischend dagegen zu sehen, dass es König Ödipus auch als Ein-Mann-Stück gibt: “Der gute König Ödipus” (PDF) im Theaterdock der Kulturfabrik Moabit. “Jochen Keth spielt Ödipus, mal als blinden Greis, mal als Clown, mal als guten starken König.” Regie führt Tamara Hahn, deren Nina-Variationen ich 2007 im Theater Zerbrochene Fenster schon ganz großartig fand. Interessant auch, dass sich die Inszenierung auf die Kindesmisshandlung zu konzentrieren scheint: Ödipus’ durchstochene Füße, Aussetzen des Säuglings. Ich werde mir auf jeden Fall eine der Aufführungen ansehen. Termine sind 12.-14.12.2008, jeweils um 20.30 Uhr.

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt. Oder: Was ist deine Sünde?

06. Dezember 2008 (23:29:58) | Veranstaltungshinweise | Von: Annika

… zugegeben diese Weisheit hätte Ödipus sich vielleicht lieber nicht so sehr zu Herzen genommen. Die Charaktere in Sartres Stück ‘Geschlossene Gesellschaft’ müssen aber genau das erkennen. Doch bevor sie das tun, entwickeln die 3 Schauspieler in der Inszenierung des “Theater unterm Dach” trotz der nach allen Seiten offenene Bühne ein Gefühl der Bedrängung und Enge, das sich schnell auch bei mir als Zuschauerin bemerkbar gemacht hat. Denn schnell ist klar: Die verschlossene Tür, das fremdartige Gefängnis besteht nicht aus Steinmauern sondern ist in den Personen selbst angelegt. Und so hat sich jeder der drei sein eigenes Gefängnis geschaffen. Diese Wahrheit ist es, die sie verbindet. Trotzdem müssen sie sich gegenseitig helfen, um zu fliehen. Und das ist komplizierter, als es auf den ersten Blick aussieht. Denn mit dem Seelenstriptease allein ist es nicht getan.

Gerne würd ich über diese beeindruckende Inszenierung noch mehr schreiben, aber wie auch die letzten beiden Tage wird morgen um 6:00 Uhr mein Wecker klingeln und mich zu einem 10-stündigen PR-Seminar bestellen. Der einzige Trost: Ich lerne dort ganz viele tolle Dinge, die sich vielleicht sogar für Antigone 2.0 einsetzen lassen. Bis dahin: Gute Nacht!

Rückblick: Frenki Tränchen / Maria Regina Martyrum

06. Dezember 2008 (16:13:00) | Verschiedenes | Von: Benedict

Meine Finger sind verheilt. Hier ein ganz kurzer Rückblick auf die beiden Veranstaltungen, die ich vor kurzem empfohlen habe:

Der Letzte Tod des Frenki Tränchens hat mir gut gefallen – auch wenn ich das Gefühl hatte, dass das Stück voll von versteckten Andeutungen ist, die ich nicht verstanden habe. Die Geschichte, die erzählt wird, handelt von einer armen jugoslawischen Familie: Der Vater ist arbeitsloser Geographielehrer, der seine Schüler schlägt, wenn sie den Ozean auf der Karte nicht finden, selbst aber noch nicht viel von der Welt gesehen hat. Die Mutter prostituiert sich, um die drei Kinder einigermaßen über die Runden zu bringen. Zu Weihnachten, so das Versprechen des Vaters, bringt er die drei Kinder um, sie dürfen sich selbst aussuchen wie. Mehr »