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Rückblick: Frenki Tränchen / Maria Regina Martyrum

06. Dezember 2008 (16:13:00) | Verschiedenes | Von: Benedict

Meine Finger sind verheilt. Hier ein ganz kurzer Rückblick auf die beiden Veranstaltungen, die ich vor kurzem empfohlen habe:

Der Letzte Tod des Frenki Tränchens hat mir gut gefallen – auch wenn ich das Gefühl hatte, dass das Stück voll von versteckten Andeutungen ist, die ich nicht verstanden habe. Die Geschichte, die erzählt wird, handelt von einer armen jugoslawischen Familie: Der Vater ist arbeitsloser Geographielehrer, der seine Schüler schlägt, wenn sie den Ozean auf der Karte nicht finden, selbst aber noch nicht viel von der Welt gesehen hat. Die Mutter prostituiert sich, um die drei Kinder einigermaßen über die Runden zu bringen. Zu Weihnachten, so das Versprechen des Vaters, bringt er die drei Kinder um, sie dürfen sich selbst aussuchen wie.

Die Inszenierung war ganz nach meinem Geschmack: Schwarzen Humor, minimalistisches Bühnenbild, Licht von Hans. Action und ruhige Szenen wechseln sich ab. Es wird geprügelt (Kampfchoreographie: Marit Fochler), geschubst und während eines der Kinder (Ich habe die Namen schon wieder vergessen. Mist. Jedenfalls hervorragend gespielt von Thomas Mai.) versucht seinen Aufsatz aufzusagen, lässt er sich genüsslich nach jedem zweiten Wort auf den Boden fallen. Gerade die herrlich amüsanten Passagen – etwa Fahrrad fahren lernen ohne Fahrrad, die Tatsache, dass der Namensgeber des Stücks, der jüngste Sohn Frenki Tränchen (Arne Fuhrmann) seit Jahren mit einem Ball ohne Luft spielen muss, oder das Umschreiben des Schulaufsatzes durch die Mutter, enthalten immer auch eine bedrückende Komponente. Armut, Kindesmisshandlung, Prostitution, Vergewaltigung werden ohne Betroffenheitskitsch dargestellt. Die Inszenierung macht es auch schwer, Figuren zu verurteilen oder Partei zu ergreifen. Sie endet mit dem Satz: „Ich gehe Frenki braten, das hat er sich so sehr gewünscht.“ und in dem Moment hält man das für genau richtig.

Regina Maria Martyrum, der Kurzfilm von Bruno zur gleichnamigen Gedenkkirche in Charlottenburg, hatte es ebenfalls in sich: Ohne Worte, nur mit ausdrucksstarken Bildern wurde die beeindruckende Architektur gewürdigt, an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert und ein eigenständiges Kunstwerk geschaffen, dass den Zuschauer in eine meditative Stimmung versetzt. Besonders angetan war ich von den Lichtverhältnissen. Anstatt noch viele Worte zu verlieren, empfehle ich, sich den Film einfach mal selbst anzusehen, denn während alle Filme der UdK-Studenten am Donnerstag in der Volksbühne sehr gut gemacht waren, hat mich Regina Maria Martyrum am nachhaltigsten beeindruckt. :-)

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