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Das hätte ich gerne…

12. November 2008 (17:48:00) | Proben | Von: Martin

Lesen unter Anleitung oder einfach Leseprobe:

So ist es! und nicht anders wie man meinen könnte: Der Schauspieler ist und bleibt ein Werkzeug des Regisseurs. So wurde der Dienstagabend ein Abend der Imperative und Diktionen, ein Abend des SO und nicht anders. Benedict und ich haben uns in einer intensiven vierstündigen Leseprobe mit dem Text von Ödipus im Prolog, der 1. Szene und Teilen der 2. Szene beschäftigt, in Prozenten also mit 1/4 des Textes. Wir achteten peinlich genau auf jedes Wort – denn so muss es ja auch sein – und erarbeiteten für jede Szene und jeden Dialog ein Persönlickeitsprofil Ödipus‘. Heraus kam ein vielschichtiger Ödipus.

Ein wissensnimmersatter Ödipus der sich mit den Fragen seine Vergangenheit ungern selbst auseinandersetzt und alles sofort wissen muss und notfalls auch mal von einem sprechendem Fahrrad Informationen bezieht. Dabei schreckt er nicht vor den simpelsten Fragen zurück. Wir erarbeiteten einen wortgewandten Ödipus der mit großer Rhetorik die Geschicke Thebens versucht in den Griff zu bekommen. Dabei wirkt er ganz wie seine real gegenwärtigen Gegenstücke in der Politik, die für alles den verbalen Masterplan haben. Wie eine Neujahrsansprache eines Staatsoberhauptes muten die Monologe vor Thebens Einwohnern an und es wird in großen Worten vom Zusammenhalt geredet. Letztlich ist Ödipus nicht nur Oberhaupt eines Staates sondern auch Oberhaupt einer ganzen Familie und kommt hier nicht um „Wohnzimmer“-Stänkereien mit dem Schwager und der Gattin herum, die wie in jedem x-beliebigen deutschen Haushalt natürlich und grundsätzlich gegen Ödipus sind. Das man bei diesen multiplen Ansprüchen, die die Gesellschaft an einen stellt nicht immer bei klarem Verstand bleiben kann, erscheint in letzter Konsequenz nur allzu natürlich und lebensnahe.

Große Probenstreiterei gab es beim Gesang des Ödipus am Ende des Prologes der von einigen oder einem User wohl in Anlehnung an die großen Heldenlieder in der Odysee oder der Ilias unbedingt auch Teil von Ödipedia sein muss. Ich bot Benedict anfänglich eine hundsmiserable Rapperformance, die so auch von jedem Musikantenstadler gebracht werden konnte. Mein „flow“ („modern german“) scheint wohl nicht so zu grooven, wie sich das der User sicher ausgemalt hat. Also bot ich Benedict noch ein Paar Variationen des Gedichtes. Darunter war eine Bob Dylan „sounds like“ Version mit netten harmonischen Akkorden auf der Gitarre, eine über der „Greensleeves“-Melodie gesungenen Variante, sowie eine Reggaeversion. Letztlich kam aber außer diabolischem Lachen von Benedict und Frust von mir nicht viel bei den Versuchen herum. Wie ihr seht… Es besteht noch viel Arbeitsbedarf.

Danach ging es mal nicht ins Aufsturz sondern in meine Stammkneipe das Labatea…

Aber wie sagt schon Götz Alsmann: „Proben ist nur was für Amateure“

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