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Antigone 2.0 bei der Trionade – oder: Ich bin das Schlüsselloch!

12. Oktober 2008 (23:44:46) | Proben | Von: Annika

Okay, der Titel klingt ein wenig übertrieben, immerhin galt das Theaterfestival heute nicht uns, sondern drei ganz unterschiedlichen Gruppen, unter anderem Stefans Impro-Gruppe „Spontius und Spielatus“. Trotzdem ist die Überschrift dieses Beitrags berechtigt, denn Antigone 2.0 war mit einer stattlichen Anzahl von 6 Leuten beim dazugehörgen Improvisations-Workshop vertreten. Mitgemacht haben Stefan, Alessa, Maren, Lisa, Johanna und ich. Und um diesen Workshop soll es hier auch gehen, ich hoffe, dass der ein oder die andere noch die Aufführungen der Trionade kommentiert.

Der Impro-Workshop war ein dreistündiges Power-Programm, das neben unseren schauspielerischen Fähigkeiten auch unsere Lachmuskeln kräftig trainierte. Neben Spontanität war hier auch Überwindung gefragt. Denn anders als in der sicheren ‚Abschottung‘ unseres Probenraums mit einer vertrauten Theatergruppe stand man hier plötzlich mit fremden Menschen auf der Bühne und sollte z.B. eine Eifersuchtsszene zwischen Neandertalern darstellen… und das inmitten einer Gruppe von ca. 15 Leuten.

Doch Stefan und seine Kollegin Cindy hatten das Tagesprogramm sorgfältig ausgearbeitet und nahmen uns schon beim Aufwärmen die Scheu vor der Beobachtung durch die Anderen. Wer denkt denn auch beim Fange-Spielen oder Tanzen sofort an Impro-Theater? Eben! So wurden wir mit einfachen, lockeren Spielen an das Programm herangeführt und waren somit alle startklar, als es in die wirkliche Improvisation auf der Bühne ging. Mein Favorit war ja das Aufbauen eines Standbildes durch drei Gegenstände, die man mit dem ganzen Körper darstellen sollte. So war Markus der Turm, Irene das Rapunzel im Turm und Irene stellte sich als „Haar“ dazu. Sobald das Bild komplett war, verließen zwei Personen die Bühne und wer wollte, konnte mit einer neuen Assoziation ein verändertes Bild schaffen. Besonders spannend war das in Situationen, in denen scheinbar wichtige Elemente die Szene verließen. Was macht z.B. das Schlüsselloch, wenn es des Spanners und der schönen Bauchtänzerin beraubt wird? Es wartet, bis ein Einbrecher kommt, der es knacken will, usw… Toll war, dass wirklich alle Teilnehmer des Workshops aktiv mitgemacht haben und ihre eigenen Ideen eingebracht haben!

Die wichtigste Lehre des Tages war wohl: Kopf aus, Spiel an. Ein Spiel, bei dem nicht über mögliche Konsequenzen nachgedacht wird, sondern der erste Impuls in eine Handlung umgesetzt wird. Dazu gehört auch, dass sich etwas anderes aus einer Szene entwickelt, als man sich selbst vorstellen kann. Ein spannender, unglaublich komischer Prozess, der nicht immer von Erfolg gekrönt ist, aber in vielen Fällen abstrakte Geschichten hervorbringt, die man durch langes Überlegen sicherlich nicht erfinden könnte! Fazit: Schon lange nicht mehr so viel gelacht bei ähnlich großem Lern-Effekt. :-)

Kommentare

Kommentar von maren
Zeit: 13. Oktober 2008, 19:19:35

Annika, man kann sogar sehen,wie gut es geschmeckt hat!

Kommentar von Annika
Zeit: 13. Oktober 2008, 21:46:55

Ja, so eine leckere Schweinshaxe à la Obelix bekommt man auch nicht alle Tage. Johanna hat das aber leider anders gesehen… (Vgl. Foto 😉 )

Kommentar von Benedict
Zeit: 14. Oktober 2008, 12:23:01

Ich war beim Workshop nicht dabei, aber dafür bei den drei Aufführungen.
Spontius und Spielatus waren großartig. Stefan hat die Aufführung mit sehr viel Charme und Humor moderiert. Besonders gefallen hat mir die Improvisation des zeitgenössischen Musicals „Verloren im Blumenbeet“. Die Gruppe hat humorvolles in Einklang mit auch sehr ernsten und interessanten Themen gebracht, zum Beispiel einen Mann, der sehr gerne so aussehen will, wie seine beste Freundin und dafür ihren Lippenstift etc. klaut.

Um Schönheit gings auch bei der Aufführung „Also, sag mal, Mädchen …“ von der Gruppe FrauenKörperTheater, die im wissenschaftlichen Selbstversuch gewonnene Erkenntnisse auf der Bühen verarbeitet haben, eine Technik die auch von uns teilweise eingesetzt wird. Besonders beeindruckend war der chorisch gesprochene Anfang und der Schluss der Aufführung. Während am Anfang die einzelnen Personen in der Masse des Chors unterzugehen schienen und ich als Zuschauer über Konformitäts- und Normalitätsdiskurse nachdachte, zitierten sie am Schluss Fragmente aus ihren jeweiligen Szenen um so ein invertiertes Bild der Gemeinschaft zu zeichnen, die sich aus der Schönheit und Körperlichkeit aller Einzelnen Mitglieder zusammensetzt.

Die dritte Aufführung „Weltenbummler“ der Flüchtlingsinitiative Brandenburg hat die alltäglichen Schwierigkeiten und Schikanen, denen Asylbewerber in Deutschland ausgesetzt sind gezeigt. Der lange Weg eines Asylbewerbers durch mehrere Instanzen, um endlich einen Zahnarzttermin zu bekommen, ist ein Beispiel: Der Zahnarzt teilt ihm schließlich mit, er habe gar keine Zahnschmerzen, sondern Heimweih – alles was er brauche, sei ein Pass. Oft waren die Szenen komisch, manchmal blieb einem jedoch das Lachen im Halse stecken. Vielleicht mag Annika dazu noch einen Kommentar schreiben, sie war völlig hin und weg von dieser intensiven Aufführung.

Kommentar von Stefan
Zeit: 14. Oktober 2008, 15:34:45

Ja, das war ein recht langer Tag. Erst der Workshop, der sehr viel Spaß gemacht hat: voller Aufregung, ob auch alles klappt, wie so die Teilnehmer sind uvm. Ich war ziemlich nervös, aber das hat sich schnell gelegt. Es hat mit so viel Spaß gemacht, dass ich Lust hab, bald mal wieder einen zu machen – also Interessenten bei mir melden 😉
Der Auftritt war dann noch mal ne Extra-Portion Nervosität für mich – sonst spiele ich ja aktiv mit, an diesem Abend hab ich aber moderiert – ich dachte mir, nach nem Drei-Stunden-Workshop bin ich nicht mehr ganz so taufrisch. Anfänglich hat mein herz auch ganz schön gepocht, aber zum Schluss war alles sehr schön – ich finde meine Impro-Truppe toll und bin froh, da zu sein. Wie ich auch froh bin, bei Antigone 2.0 zu sein. Schön, dass soviele von uns da waren, auch bei der Aufführung.

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