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Schattenseiten

04. Dezember 2007 (12:04:08) | Verschiedenes | Von: Benedict

SchattenGibt es zu viel Demokratie? Das haben sich die alten Griechen schon gefragt und unsere Antigone 2.0-Inszenierung hat die Frage ebenfalls in den Raum geworfen. Eine Inszenierung mit Chat hat eben nicht nur Vorteile. Im Gegenteil, es ging uns gerade darum zu zeigen, wozu die Möglichkeit des permanenten Kommentierens führen kann – im Positiven, wie im Negativen. Der häufigste Kritikpunkt an unserer Inszenierung war, dass man schwerlich gleichzeitig dem Bühnengeschehen und dem Chat folgen kann. Meine Antwort lautete immer: „Muss man auch nicht. Dann muss man sich eben entscheiden.“ Es zeigte sich aber, dass sich viele Leute durch die einfach verständliche, teils banale, Ebene des Chats von dem in die Worte Hölderlins gehüllten politischen Drama abgelenkt fühlten.

Neben dieser strukturellen Ebene, gab es auch ein inhaltliches Problem. Was, wenn der Chat genutzt wird, Menschen bloßzustellen? („Ih, da sitzt ein knutschendes Pärchen neben mir!“ oder „Nummer 5 ist Viktor, der hat keine Tischmanieren“ (beispielhaft)) Gibt es einen Punkt an dem man einschreiten sollte, das demokratische Element unterbinden sollte und wenn ja – wann ist der erreicht? Schämt man sich teilweise für Kommentare anderer Zuschauer, weil man sich als große Gruppe sieht, von denen nur einige das Rederecht haben? Das sind nur einige Fragen, die ich mir gestellt habe – auf die meisten habe ich noch keine wirklich gute Antwort gefunden.


Besonders extrem war der Chat am Montag, den 26.11.2007. Ein Bezug zum Bühnengeschehen war nur selten zu erkennen. Dafür gab es relativ viel Gelächter – was leider auch die Schauspieler teilweise irritierte, sodass sie gegen Ende etwas von ihrer Spannung verloren. Gestern habe ich zwei E-Mails von Beteiligten an diesem Chat erhalten. Mit einer Entschuldigung. Das hätte ich nicht erwartet, vielen Dank.

Kommentare

Kommentar von Roman
Zeit: 04. Dezember 2007, 14:57:41

Montag wirklich eines gezeigt: Eine solche Form der Redefreiheit wie ein kommentierender Chat; eigentlich alle Demokratie ist ein höchst fragiles Gebilde. Und sie funktioniert nur, wenn alle an einem Strang ziehen. Ich stelle mir nur die Frage: Ist Kants „Reich des Rechts“ tatsächlich nur eine Utopie, oder kann sie Wirklichkeit werden? Drei Mal hat es schließlich bei uns funktioniert, nur einmal ging es ein wenig daneben.
Wie gut, dass es noch Optimisten gibt.

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