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Schluss. Aus. Das wars.

27. November 2007 (07:40:10) | Neuigkeiten | Von: Benedict

Aufbau der Styroporwand im Theater - Sieht allerdings genau so aus, wie der Abbau, wovon wir keine Fotos haben…Die vier Aufführungen im Theater Zerbrochene Fenster sind vorbei. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicke ich auf die letzten Tage zurück.

Wie geht es weiter mit Antigone 2.0? Heute Abend gibt es noch eine Abschlussparty. Dann wollen wir die Chatlogs der vier Aufführungen veröffentlichen. Außerdem wird noch versucht ein paar nicht mehr benötigte Ausrüstungsgegenstände zu verkaufen – sie werden dann in unserem Shop zu finden sein. Die Chatsoftware wird eventuell als Open Source der Öffentlichkeit übergeben. Ein bisschen Büroarbeit ist auch noch zu tun.

Dann werden wir ausloten, ob es evtl. zu weiteren Aufführungen kommen wird – bisher haben wir mit Antigone 2.0 schließlich keinen Cent Gewinn gemacht. Wer uns buchen möchte, kann mich gerne per Mail oder auch telefonisch kontaktieren.

Kommentare

Kommentar von Susanne Eigner
Zeit: 27. November 2007, 13:51:08

Schade, es ist vorbei!
Wir schwelgen immer noch in Erinnerungen vom Wochenende. Es ist unglaublich was Ihr aus diesem Theaterstück gemacht habt. Schon bei den ersten Proben im Juli waren Anika und ich dabei. Aber was dabei entstanden ist, man kann es fast nicht in Worte fassen, ist unglaublich. Am Freitag dem Premierenabend haben wir kurz vor der Aufführung noch völlig aufgeregte fast nicht im Zaum zu haltende Schauspieler erlebt. Dann endlich der Beginn. Was wir erleben durften waren hervoragend dargestellte Charaktere, strotzendes Selbstbewußtsein, ein Regisseur,der genau weiß was er will!
Alles in allem, es war genial!!! Viel verdienter Applaus, begeisterte Zuschauer, wohlwollende Presse. Das habt Ihr verdient. Toll war auch die Premierenfeier im Theater. Anschließend die Nacht mit Euch durchzufeiern und neue Freunde gefunden zu haben ist für uns ein wunderschönes Geschenk. Vielen Dank an alle die dabei waren! Spät oder früh:) ins Bett zu gehen, mit einem Glücksgefühl so eine tolle Premiere erlebt zu haben war klasse. Nächsten Tags waren wir wieder dabei! Nochmals eine Steigerung, was will man mehr!
Vielen Dank lieber Benni, liebe Alessa, liebes Antigone Team, ihr seid wirklich wunderbar. Wir haben es genossen.
Wir wünschen Euch viele neue Termine in denen Ihr das Stück nochmals aufführen dürft.
Viele Grüße
Susi & Co

Kommentar von Tamara
Zeit: 27. November 2007, 15:22:23

Lieber Benedict Roeser, liebe Mitwirkende an Antigone 2.0
Gestern waren ein paar von uns (xdeluxe) in eurer Antigone2.0 Abschlussaufführung.
Ich war beeindruckt von der Idee mit dem Live-Chat, auch wenn ich euch ein etwas weniger pubertäres Publikum an den Rechnern gewünscht hätte :-), das sich mehr auf den dargebotenen Stoff einlässt, aber es war ja wohl eine Schulklasse. Die Beiträge aus dem Chat waren interessant: was passiert, wenn einerseits das Publikum zum Mitspieler wird, was den meisten normalerweise eher Angst machen würde, wenn sie aber durch die Anonymität des Chats doch nicht ungeschützt auf der Bühne stehen müssen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Abende in der Hinsicht jedes Mal anders verlaufen sind. Wie hast Du die DarstellerInnen darauf vorbereitet? Gab es Gedanken, die SchauspielerInnen auch reagieren zu lassen auf das, was ihnen im Chat persönlich geschrieben wurde?
Hölderlins Sprache ist nicht gerade leicht zugänglich und die Chat-Projektion lenkte oft ab, glücklicherweise kenne ich die Antigone-Geschichte, und ich gehe davon aus, dass diese Ablenkung sehr wohl Teil deines Konzepts ist. Wie oft lenken uns banale Alltäglichkeiten, oft sinnleere Worthülsen ab von den politischen Skandalen unserer Zeit. Wie vielen im Publikum war es tatsächlich wichtiger, wie hübsch Antigone aussieht, als dass sie eines dummen Gesetzes wegen hingerichtet werden soll?
Zum Aufnehmen zweier Texte gleichzeitig reicht es bei mir leider nicht – vielleicht bin ich zu alt oder vielleicht hätte mehr Betonung auf die non-verbalen Aspekte der Darstellung geholfen – falls es nicht tatsächlich darum ging, die Dramenhandlung für zweitrangig zu erklären, während der Kommentar des Publikums im Mittelpunkt steht. Sehr hilfreich übrigens die gelegentlichen Erklärungen der Regie im Chat.
Ich würde mir wünschen, dass Ihr das Konzept Live-Chat meets Live-Theater nicht nach einer Produktion als abgehakt seht, sondern überlegt, wie man beidem, Stück und Chat, noch mehr zu ihrem Recht verhelfen könnte. Es wäre schade, wenn in ein paar Jahren die Idee von einem großen Theater mit viel Brimborium und sagen wir mal Heinrich V von Shakespeare (ein Stück, das auch einen Chor hat und sich als politisch aktuelles Stück vielleicht sehr gut eignen würde) als Innovation eben jener großen Bühne vermarktet würde.
Nun zum Schluss noch rasch ein Kompliment: das Bühnenbild war sehr gut: einfach und zweckvoll, wie ich es mag (und fast schwarz weiß); besonders gelungen das „Schlachtfeld“, über das man eintrat.
Kreon und Antigone waren natürlich die Stars und spielten ihren Rollen mit Hingabe und überzeugend, was gegen gelegentliches Gekicher vor ihnen sicher harte Arbeit war. Die Nebenrollen waren ebenfalls voll da. Ich liebe es, wenn DarstellerInnen höchst selten von der Bühne gehen, und so fand ich das „Internetcafe“ eine perfekte Lösung. Gleichzeitig formen so DarstellerInnen und Bühnenbild eine stimmige Einheit.
Wenn das nächste Projekt auf die Bühne geht, lasst es mich bitte wissen.
Mit den besten Wünschen
Tamara Hahn
Xdeluxe

Kommentar von Benedict Roeser
Zeit: 27. November 2007, 15:50:01

Liebe Tamara,

Die Live-Chats sind tatsächlich je nach Publikum völlig anders abgelaufen. Ich werde in Kürze die Texte der verschiedenen Aufführungen zum Vergleich Online stellen. Die Regieanweisung an die Schauspieler bzgl. des Live-Chats war, nur auf Publikumsäußerungen zu reagieren, wenn sie direkt angesprochen werden. Ich wollte die antike Trennung von Szene und Proszene, Darstellern und Chor beibehalten.

Schön, dass Sie die „Ablenkung“ nicht als so negativ empfunden haben, wie so viele andere Zuschauer. Tatsächlich war es oft notwendig sich für entweder Chat oder Schauspiel zu entscheiden. Hier gilt es im nächsten Projekt ggf. eine harmonischere Verbindung zu finden.

Ich selbst bin mit der Kombination von Chat und Theater sehr zufrieden – bis auf die letzte Aufführung war beides sehr stimmig. Nach diesem „Pilotprojekt“ würde ich auch sehr gerne andere Stücke unter Einsatz von Möglichkeiten der Kommentierung durch das Publikum auf die Beine stellen – ob es ein Chat sein muss, oder etwas anderes ist noch fraglich.

Vielen Dank für die lobenden Worte übers Bühnenbild und an die Schauspieler. Auch Ihr nächstes Projekt will ich mir natürlich sehr gerne ansehen, nachdem die Nina-Variationen mir schon so gut gefallen haben.

Liebe Grüße,
Benedict Roeser

Kommentar von Renate
Zeit: 27. November 2007, 22:54:40

Lieber Benedict, liebes Antigone 2.0-Team,

zuallererst ein herzliches Dankeschön für eure Energie und euer Engagement. Soviel wie ich mitbekommen habe, beruht euer Projekt nahezu vollständig auf unentgeltlicher Eigeninitiative, ohne die dieses Experiment „Theater+Web 2.0“ nicht möglich gewesen wäre.

Tamara hat in ihrem ausführlichen Kommentar über die gestrige Vorstellung bereits einige Dinge angesprochen, die auch mir wichtig sind.
Ich finde die Idee grundsätzlich sehr spannend, die Stimmen des Volkes per Chat für alle sichtbar und damit öffentlich zu machen. Besonders gut gefiel mir auch, dass sich die Figuren des Stücks an dem Chat beteiligt haben. Bei der gestrigen letzten Aufführung ist jedoch etwas abgelaufen, was die ganze Szenerie gestört hat. Ich hätte gerne nach der Aufführung noch mit anderen Zuschauern, dem Regisseur und den Schauspielern in größerer Runde über das Stück gesprochen. Leider war das durch den notwendigen Abbau nicht möglich. Vielleicht kann man das nächste Mal eine Werksbesprechung machen?

Deswegen an dieser Stelle ein paar Gedanken von mir:
Im Programmheft schreibt Du, Benedict, dass die Handlung von Antigone und das Web 2.0 eine gemeinsame Basis haben, nämlich „die Überführung des Privaten in den gesellschaftlichen Diskurs“.

Dieser Idee folgend, war der gestrige Abend scheinbar ein voller Erfolg, da die Schulklasse es vermocht hat, ihre privaten Beziehungen zu ihrer Lehrerin für alle offen zu legen. Es hätte der Anstoß für einen gesellschaftlichen Diskurs unter allen anwesenden Zuschauern sein können.

Doch genau an dieser Stelle funktionierte die Idee nicht, weil die anderen Zuschauer keine Stimme hatten und ein gesellschaftlicher Diskurs gar nicht möglich war. Ich stand ein paarmal kurz davor von meinem Platz aufzustehen und meinen Ärger über die themenfremden Äußerungen im Chat und auch über die Lautstärke des Lachens kundzutun. Damit hätte ich den gesellschaftlichen Diskurs eröffnet. Ich muss gestehen, ich habe mich nicht getraut, weil ich nicht wusste, ob eine Einmischung der ’normalen‘ Zuschauer gewünscht war.

Die gestrige Vorstellung hat sehr schön demonstriert, was das Web 2.0 eben nicht ist und sein darf: Die Vormachtstellung einer Gruppe, die allein über bestimmte (technische) Mittel verfügt und damit die Meinungsführerschaft an sich reißen kann. Das Web 2.0 als so genanntes Mitmach-Internet bedeutet vielmehr, dass alle in die Lage versetzt werden, sich an dem Diskurs zu beteiligen und keiner ausgeschlossen wird. Da war gestern nicht der Fall. Alle Zuschauer ohne Laptop waren zum bloßen Zusehen und Aushalten verdammt.

Mir ist klar, dass die Ausstattung aller Sitzplätze mit Laptops nicht möglich war und in Zukunft voraussichtlich auch nicht möglich sein wird. Umso mehr müssen wir uns fragen, wie die Beteiligung der Zuschauer gestaltet werden kann, um ein Höchstmaß an Demokratie zu sichern. Der Chat könnte dabei ein Mittel sein, das aber durch andere Maßnahmen ergänzt werden müsste. Denkbar wäre zum Beispiel auch die Einbindung von Inhalten, die spontan von den Zuschauern geliefert werden – im Sinne eines „user generated content“.

Ich freue mich auf weiteren konstruktiven Austausch und natürlich auf das nächste Projekt!
Beste Grüße
Renate vom Theaterblogs-Team
http://www.theaterblogs.de

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