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Monat: Oktober 2007

Ablasshandel heute: Halloween

24. Oktober 2007 (22:40:44) | Neuigkeiten | Von: Benedict

Beleuchteter KürbisHalloween ist eines meiner Lieblingsfeste. Es findet am Tag vor Allerheiligen und damit am Reformationstag, den 31.10. statt. Der Reformationstag wiederum ist ein evangelischer Gedenktag an die Reformation des Christentums. Insbesondere an Martin Luthers Anschlag der 95 Thesen soll erinnert werden. Diese richteten sich gegen den Ablasshandel und gingen kritisch mit dem Papst ins Gericht.

Heute ist dies völlig in Vergessenheit geraten. Halloween ist das Fest der Kürbisse, Hexen und anderer Gruselgestalten. Absurderweise ist es Brauch, dass Kinder von Haus zu Haus gehen und „Süßes oder Streiche“ verlangen, d. h. sofern sie keine Süßigkeiten erhalten, werden sie dem Hausbesitzer einen üblen Streich spielen. Warum absurd? Weil gerade dieses Verhalten einen modernen Ablasshandel darstellt. Man kann sich vor schlechten Folgen (die man nur ebenso vage erahnen kann, wie die Beschaffenheit der Hölle oder des Fegefeuers) durch Materielles freikaufen. War Luthers Kampf also doch nicht so erfolgreich? ;-)

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Mathematik für Regisseure

22. Oktober 2007 (19:46:17) | Smalltalk | Von: Benedict

SitzreihenWas für ein Tag! Vielleicht lag es daran, dass ich mir gestern Abend noch „Der Beweis“ im Theater unterm Dach angesehen habe (übrigens eine hervorragende Inszenierung eines tollen Stücks), jedenfalls war ich heute ganz und gar nicht fit.

Aber ich will von vorne anfangen: Sieben Uhr morgens aufstehen, E-Mails beantworten, Verwaltungskram. Dann bin ich eine halbe Stunde zu spät (10:30 Uhr) zur Besprechung im Theater Zerbrochene Fenster gekommen. Dort stellte sich heraus, dass meine Mathematikkenntnisse sich manchmal als unzureichend erweisen: Die von mir und Michael geplante Anordnung der Stuhlreihen ergibt nicht 84 + 16 = 99 – wie auf meiner Skizze vermerkt -, sondern nur 48 + 16 = 64 Sitzplätze, was natürlich viel zu wenig ist – Schließlich wollen wir unseren Zuschauern keine „Reise nach Jerusalem“ zumuten. Die Fehler in unserer Bestuhlungsplanung wurden allerdings mit Humor genommen: „Ich bin ja auch nicht so mathematisch…“ bzw. „Wir haben übrigens auch Sitzkissen…“
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Sicherheit in Text und Schritt

21. Oktober 2007 (13:02:44) | Proben | Von: Annika

Eurydices TränenDer Herbst kommt. Ich sitze frierend (da meine Heizung noch nicht voll läuft) an meinem Schreibtisch und gucke den Blättern zu, die vor meinem Fenster tanzen. Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht. War es nicht Sommer, als wir uns zum ersten Mal trafen um Antigone 2.0 ins Leben zu rufen? Jetzt proben wir bereits an zwei Tagen pro Woche, da die Aufführung mit großen Schritten näher rückt und noch so viele Szenen nicht sitzen. Gestern stand das sechste Epeisodion auf dem Probenplan – endlich einmal wieder eine Probe, bei der ich auch spielen durfte. Da wir in der Nacht alle zusammen in Miriams Geburtstag reingefeiert hatten, waren die Gesichter entsprechend blass und der Kaffeekonsum enorm. Doch Benis wiederholte Mahnungen zur Konzentration waren erfolgreich. Inzwischen sitzt der Text (zumindest bei den meisten von uns) so sicher, dass wir nun an den Feinheiten einer Szene arbeiten – eine harte Arbeit. 10 Minuten lang versuchte ich, meinen Text so schwach wie möglich zu hauchen und gleichzeitig das Höchstmaß an Bestürzung hinein zu legen – das Rückwärtsstolpern muss ich daheim vor dem Spiegel noch ein bisschen üben. Mehr »

Individualität und Gesellschaft im Web 2.0

18. Oktober 2007 (17:57:28) | Smalltalk | Von: Benedict

Häufig werde ich gefragt, was an Antigone so aktuell ist und wofür das „2.0″ im Titel unserer Inszenierung steht. Da könnte ich natürlich antworten: „Wenn man ein 2.0 an etwas dranhängt, verkaufts sich besser!“ aber die Hintergründe sind dann doch etwas komplizierter.

Eine der wichtigsten Fragen in Antigone lautet: „Wem gehört eine Leiche?“ Diese sehr konkrete Fragestellung deutet natürlich auf einen abstrakteren Konflikt. In der Antike begann durch das Aufkommen der Demokratie (mit ihren Ursprüngen in der Timokratie, eingeführt von Solon, weiterentwickelt unter Ephialtes und „vollendet“ von Perikles, siehe Zeittafel) das Private immer mehr ins Blickfeld des gesellschaftlichen Diskurses zu rücken. Bestattungen sind nur ein Beispiel von vielen, wo die familiäre, individuelle oder private Organisation von einer staatlich-gesellschaftlichen abgelöst wird. Die Reformen waren in vielerlei Hinsicht notwendig, um die äußere Sicherheit der athenischen Polis gewährleisten zu können.

Teil dieses Konflikts zwischen dem Privaten und dem Gesellschaftlichen ist die Frage nach der anzuwendenden Rechtsform – Dike oder Nomoi. Das geschriebene staatliche Recht bietet erstmals eine verlässliche Rechtsgrundlage, Rechtssicherheit. Andererseits steht es oft im Widerspruch zum Naturrecht oder zur eigenen Moral/zum Gewissen. Wir sehen an unserem eigenen Rechtssystem, dass immer mehr Ausnahmeregelungen geschaffen werden müssen, um scheinbar faire Gesetzgebung gewährleisten zu können.

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Veranstaltungshinweise II

16. Oktober 2007 (23:44:31) | Veranstaltungshinweise | Von: Benedict

Besser spät als nie:

  • Am 17.10.2007 werde ich im Rahmen des Seminars „Griechische Tragödie. Ritualität – Mythologie – Motive – Rezeptionen“, das im Raum KL 32/123 (Rost/Silberlaube) der Freien Universität Berlin zwischen 16:00 Uhr und 19:00 Uhr stattfindet zu unserer Antigone-Inszenierung referieren.
  • Am 18.10.2007 um 20:00 Uhr feiert „Der Beweis“ im Theater unterm Dach Premiere. Ein absolutes Muss für jeden Theaterfan, schließlich ist unsere Consultant für die Regieassistenz verantwortlich.

P. S.: Der Bericht über die letzte Probe, inkl. Fotos ist nun endlich online.

Doppelprobe

14. Oktober 2007 (23:49:27) | Proben | Von: Alessa

AntigoneSo langsam wird mein Leben von Antigone verschluckt. Nicht nur sind die Hälfte aller Abende bis zu Premiere dafür eingeplant, Promo-Postkarten vor den verschiedenen Theatern Berlins sowie in Kneipen und Restaurants zu verteilen, damit jedem Hauptstadtbewohner, der eventuell Interesse an unseren Aufführungen haben könnte, eine Postkarte zukommt. Nein, wir haben jetzt auch jedes Wochenende Doppelproben. Samstag und Sonntag von 10:00 bis 15:00 Uhr.

:-) Ehrlich gesagt beruhigt das mich ein bisschen, denn bis zur Aufführung sind es nur noch fünf Wochen. Wenn ich daran denke, dass jede meiner Szenen (trotz Doppelproben!) bis zu den Gesamtproben in der letzten Woche nur noch drei Mal geprobt wird, ist mir schon ein bisschen mulmig zumute… Aber das wird schon. Der Herr und Meister meinte, dass zumindest die Hälfte der Szenen „auf dem richtigen Weg“ seien. Na wenn das mal nur so bleibt.

Bad NewsDieses Wochenende standen also die Epeisodien 1, 4 und 5 auf dem Probenplan. Samstag Morgen trafen sich trotz strahlendem Sonnenschein, der eigentlich zu anderen Tätigkeiten eingeladen hätte, der Regisseur, Kreon und (ich) der Bote im (ziemlich kalten) Probenraum, um die Antrittsrede und Des Boten Schlechte Nachricht zu üben. Nach dem ersten Mal durchspielen die gute Nachricht vom Regisseur: „Nicht so schlecht. Dieses Mal musste ich nicht fast weinen, wie bei der letzten Probe.“ Aha, das klingt doch vielversprechend. Mehr »