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Doppelprobe

14. Oktober 2007 (23:49:27) | Proben | Von: Alessa

AntigoneSo langsam wird mein Leben von Antigone verschluckt. Nicht nur sind die Hälfte aller Abende bis zu Premiere dafür eingeplant, Promo-Postkarten vor den verschiedenen Theatern Berlins sowie in Kneipen und Restaurants zu verteilen, damit jedem Hauptstadtbewohner, der eventuell Interesse an unseren Aufführungen haben könnte, eine Postkarte zukommt. Nein, wir haben jetzt auch jedes Wochenende Doppelproben. Samstag und Sonntag von 10:00 bis 15:00 Uhr.

:-) Ehrlich gesagt beruhigt das mich ein bisschen, denn bis zur Aufführung sind es nur noch fünf Wochen. Wenn ich daran denke, dass jede meiner Szenen (trotz Doppelproben!) bis zu den Gesamtproben in der letzten Woche nur noch drei Mal geprobt wird, ist mir schon ein bisschen mulmig zumute… Aber das wird schon. Der Herr und Meister meinte, dass zumindest die Hälfte der Szenen „auf dem richtigen Weg“ seien. Na wenn das mal nur so bleibt.

Bad NewsDieses Wochenende standen also die Epeisodien 1, 4 und 5 auf dem Probenplan. Samstag Morgen trafen sich trotz strahlendem Sonnenschein, der eigentlich zu anderen Tätigkeiten eingeladen hätte, der Regisseur, Kreon und (ich) der Bote im (ziemlich kalten) Probenraum, um die Antrittsrede und Des Boten Schlechte Nachricht zu üben. Nach dem ersten Mal durchspielen die gute Nachricht vom Regisseur: „Nicht so schlecht. Dieses Mal musste ich nicht fast weinen, wie bei der letzten Probe.“ Aha, das klingt doch vielversprechend. Dann das stundenlange Auf- und Entrollen der Szene. Tausend Unterbrechungen, viele interessante Fragen: Warum bist du grade einen halben Schritt nach vorne gegangen? Warum schaust du nach links? Nach oben? Hast du einen Grund dafür, gerade mit den Armen zu wackeln? Kannst du bitte aufhören, während der gesamten Szene blöd zu grinsen? (Bote: Ich versuchs. *g*) Und viele Anregungen, die ausprobiert werden müssen: Schau, wenn du das sagst, ins Publikum. Mach mal so eine Geste. Steht doch näher zusammen. Ball die Hände zur Faust. Schau mal panisch – ohne zu grinsen. Choreografien werden neu erstellt, geändert, verworfen, noch mal neu gemacht. Anderer Tonfall, andere Betonung, ja, so hört sich das schon besser an. Am Schluss, nach zweieinhalb Stunden, haben wir eine Szene, die „sehr schön – äh nein, ich soll das ja nur sagen wenn es stimmt, aber sie ist auf dem richtigen Weg“ ist. Das hätte sich dann also schon mal gelohnt. Sonntag Morgen proben wir die Szene auf meinen Wunsch nochmal „kurz“ (eine Stunde – gut, dass der Seher ein bisschen spät dran ist) um sie zu festigen. Hoffentlich behalte ich das bis nächste Woche.

Der Großteil der restlichen Zeit der Proben wird für das 5. Epeisodion Indifferenceaufgewandt, da Greis Tiresias sonst Sonntags meistens arbeiten muss. Weil die Szene bisher nur selten geprobt wurde, wird erstmal auf den Charakter des Sehers eingegangen, sein Verhältnis zu Kreon, die grundlegende Tonart der Szene. Ein besonderer Streitpunkt ist das Stasimon und der Anfang des Epeisodions, zu dem sich der Regisseur besondere Gedanken gemacht hat. Nicht alle sind so begeistert von seinen Ideen, und es wird diskutiert, vorgespielt, nach Alternativen gesucht und schließlich beschlossen, die Entscheidung zu vertagen, um auch den Rest der Szene noch einmal durchspielen zu können.

Die zweite Hälfte der Sonntagsprobe ist schließlich ganz Antigone gewidmet,Antigone ihrer Klagerede im vierten Epeisodion und dem schizophrenen Flüsterprolog mit sich selbst. Hier geht es nur noch um Kleinigkeiten bei Betonung und Gestik, so dass sich der Fotograf den Rest der Zeit nehmen darf, um das eine oder andere Kunstwerk zu vollbringen. Und weil Kreon früher weg muss und Antigone so gut war, machen wir sogar ein bisschen früher Schluss und gehen im kleinen Kreis noch Eierkuchen essen und leckeren Zimtmilchkaffee trinken (den der Bote vor lauter Übermüdung glatt über den halben Tisch schüttet – also ehrlich).

Kommentare

Kommentar von Sophia
Zeit: 15. Oktober 2007, 21:25:55

Also jede Menge gute und schlechte Nachrichten (siehe: „Des Boten schlecte Nachricht“)… Die Titel der Epeisodion (Plural?) machen auf jeden Fall schon mal Lust auf mehr :-) Ich kann mir aber gar nicht vorstellen, dass du bei „Hämon ist tot“ grinsen musst?

Kommentar von Der Bote
Zeit: 16. Oktober 2007, 00:41:40

Äh, du erinnerst dich nicht zufällig an die 11. Klasse Deutsch bei Frau Referendarin-mit-den-fliederfarbenen-Wollpullis und der Textstelle: „Sie haben Post. Hämon ist tot!“? Ich mich nämlich schon… Und das ist genau mein Text.

Kommentar von Sophia
Zeit: 16. Oktober 2007, 15:59:08

Ich erinnere mich, dass ich an der Textzeile nicht ganz unschuldig war, yeah! Wenn jemand an der Premiere laut lacht, bin das also ich, entschuldigung schon mal…

Kommentar von SeacinsRuisse
Zeit: 02. Februar 2008, 07:01:49

Hello!
Nice site 😉
Bye

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