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Wir sind die Boten. Sie werden assimiliert werden.

04. September 2007 (20:12:17) | Proben | Von: Alessa

Bote und Fotograf im SpiegelLangsam aber sicher hat sich „der Bote“ in meinen Alltag geschlichen. Nicht nur, dass das Textbuch mein ständiger Begleiter ist und schon ein bisschen zerfleddert aussieht, weil es in meiner Handtasche überall hin mitgeschleppt wird – es könnten sich ja ein paar Minuten Langeweile ergeben, in denen ich meinen Text lernen kann. Ich rezitiere auch zu jeder Tages- und Nachtzeit mehr oder weniger unbewusst Textpassagen, übe in unbeobachteten Momenten einen ernsten Gesichtsausdruck, summe vor mich hin um einen Eutonus herzustellen und hinterfrage bei allen Wörtern auf -g, ob sie nicht richtigerweise auf -ch ausgesprochen werden. Was etwas verwirrend sein kann, wenn man bedenkt, dass der Durchschnittsberliner gerne mal Sonntach statt Sonntag und andere nette Dinge sagt.

Dennoch muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich den zweiten Teil des sechsten Epeisodions, das wir am Sonntag geprobt haben, leider nicht auswendig konnte, was für Gestik, Mimik und Textverständnis offensichtlich ein bisschen hinderlich war. Überhaupt fällt mir der Botenbericht, mein längster Monolog im Stück, noch ein bisschen schwer. Zum einen ist es relativ viel Text, der nicht nur Erzählung sondern auch wörtliche Rede beinhaltet, zum andern soll ich sensationslüstern einer armen Frau vom Tod ihres Sohnes und ihrer Nichte erzählen, in diesem selbstdarstellenden Tonfall, wie ein Bildzeitungsredakteur… Na ja, ehrlich gesagt dachte ich, es sei schon ganz in Ordnung, bis mir sanft klargemacht worden ist, dass es eigentlich eher schlecht ist. *g* Aber ich hab ja morgen ein Sprechtraining (über das ich dieses Mal definitiv auch einen Blogeintrag schreiben will), bei dem wir hoffentlich ausgiebig über Spannungskurven, Lautstärkenmodulation und nochmal die leidigen Tonhöhen diskutieren können, nachdem ich zumindest die meisten Unwörter aus meiner Sprache gestrichen habe. *g* Um aber noch einmal etwas positives über das sechste Epeisodion zu sagen, ich fand es ganz toll, dass wir die „imaginäre“ Szene (also das, was im Botenbericht erzählt wird: die Selbstmorde von Antigone und Haimon und deren Entdeckung durch Kreon) auch mal durchgespielt haben: der Regisseur gab eine sehr schöne Antigone ab, und Haimon war richtig wild, als er mordlüstig auf Kreon zustürmte. Siehe auch die sehr schönen Probenfotos.

Die andere wichtige Botenszene, die noch geprobt wurde, war das erste Epeisodion. Da war der Text kein Problem, und ich hatte auch die ganze Woche einen ernst-getragenen Gesichtsausdruck geübt. Ehrlich. Den Herr und Meister hat meine tieftraurige Stimme an der Stelle allerdings nicht sehr beeindruckt… Gottseidank – äh, Zeus sei Dank – hatte unsere wunderbare Consultant ein Aha-Erlebnis, und ich darf jetzt meine Todesangst auf eine nervös-hibbelige Art und Weise zum Ausdruck bringen, die eher meinem Wesen entspricht. Auch wenn ich das Grinsen weiterhin ein bisschen unterdrücken soll. Äh ja. Ich glaube das Problem besteht darin, dass ich, wenn ich nervös bin, auch immer blöd grinse. Zum Beispiel beim Zahnarzt. Oder in mündlichen Prüfungen. In der Hoffnung, dass ich meinem Gegenüber sympathisch genug bin, dass er mich nicht umbringt. Und dann das Zusammenspiel von auf der Bühne Stehen und schlechte Nachrichten Überbringen – wer könnte da ernst bleiben?

Der letzte TOP des Nachmittags war dann noch einmal die Haimon-Kreon-Szene – die mit jedem Mal Proben beeindruckender wird. Da ist es wirklich eine Freude dabei zuzuschauen, wobei besonders Haimon mich immer mehr überzeugt. Er hat aber auch tolle Textstellen! „Ein rechter Herrscher wärst allein du in der Wildnis!“ und „Sieh allda wie das verwegen jung klingt!“ sind nur zwei meiner Lieblings-Augenblicke. Und Kreons abfälliges Gerede über die „Weiber“ und sein männliches auf-die-Brust-Klopfen wärmt mir auch immer wieder das Herz. Wenn ich Roman nicht besser kennen würde, würde ich ihm heimliche Macho-Gefühle unterstellen. *g*

Auch Björn war wieder da und hat ganz tolle Fotos gemacht. Das mit Kreon im Spiegel hat mich besonders beeindruckt.

Der Bote, 04/09/07

Kommentare

Kommentar von Susi und Anika
Zeit: 06. September 2007, 14:46:45

Hi Lessi,
wir stellen uns gerade vor, dich in der U-Bahn zu beobachten wie du Grimassen schneidest.Pass bloß auf daß dich niemand einsperrt. Bei uns wäre es die Grüne Minna die dich abholt. :-)

Kommentar von Haimon
Zeit: 06. September 2007, 21:22:45

Der Titel ist ja wohl voll von Star Trek abgeguckt. Als Trekie erkennt man sowas ja sofort 😉

Kommentar von Der Bote
Zeit: 06. September 2007, 21:24:49

Von dir hab ich auch nichts anderes erwartet, liebster Haimon. 😀

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