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Alltag des Regisseurs

22. August 2007 (15:21:24) | Verschiedenes | Von: Benedict

Bei der revolutionären Inszenierung der Antigone 2.0 in der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland (Berlin) erwartet man möglicherweise von einem Jungregisseur einen außergewöhnliche Arbeitsalltag. Zu Unrecht. Heute will ich mal erzählen, wie meine Arbeit für Antigone 2.0 wirklich aussieht. Bei den Schauspielern kann man sich das ja einigermaßen vorstellen.

Mittlerweile arbeite ich hauptsächlich im Büro (Anfangs habe ich mich noch mehr in Bibliotheken rumgetrieben und recherchiert, das ist mittlerweile abgeschlossen.) Der Kontakt zu (potentiellen) Sponsoren nimmt viel Zeit ein und ist natürlich wichtig für die Durchführung des Projekts. (Nochmal herzlichen Dank an getDigital, die uns mit Kostümen unterstützen.)

Ein weiterer Zeitfaktor ist der „Einkauf“. Ich versuche natürlich bei allem, was wir für die Aufführungen der Antigone benötigen (Bühnenbau, Kostüme, Büromaterial, IT-Ausstattung, Werbung, Catering für Proben, Bücher mit Hintergrundmaterial, Druckerzeugnisse, …) den günstigstmöglichen Preis, bei gleichzeitig hoher Qualität zu bekommen. Das erfordert manchmal Gratwanderungen. Sehr gerne würde ich manchmal bei jemandem einkaufen, den ich für äußerst kompetent halte, der schnell und flexibel reagieren kann – aber das Budget erlaubt nur den Zweitbesten mit endlos langen Lieferzeiten… Die Buchhaltung von Antigone 2.0 übernehme ich ebenfalls selbst, ist momentan zeitlich allerdings noch erträglich.

Der dritte Posten, der viel Zeit verschlingt ist die Vorbereitung und Durchführung von Proben und Theorietreffen. Jede Probe hat einen eigenen Probenplan, der genau auflistet, wer wann erscheinen sollte und was geprobt wird. Der muss natürlich angepasst werden, wenn mal jemand nicht kann, krank ist, etc. Dann gehe ich vor jeder Probe nochmal den Text durch. Bei Szenen, die wir schon öfter geprobt haben, konzentriere ich mich darauf, wie an bestimmten Stellen gespielt werden soll. Szenen, die zum ersten Mal geprobt werden, bereite ich vor, indem ich Anmerkungen zum historischen oder mythologischen Kontext an den Rand des Textbuchs schreibe, im Internet recherchiere, evtl. Kopien mache, die zum Verständnis einer Textstelle hilfreich sind. Dazu eignen sich dann durchaus auch Texte anderer Autoren.

Eine Inventarliste, die ich vor jeder Probe abhake, sorgt dafür, dass ich zur Probe auch alles mitnehme, was ich brauche. Der wichtigste Punkt auf der Liste ist zweifellos der Kaffee. Nachdem allerdings über die Qualität meines Kaffees geklagt wurde, wird den ab sofort meine bezaubernde Consultant machen. Die Proben selbst dauern dann 5-6 Stunden. Wenn ich danach nicht noch etwas in lockerer Atmosphäre mit meinem Team unternehme, besteht meine Nachbereitung daraus, die Fotos zu sortieren und hochzuladen, einen Probenbericht zu schreiben (Ich weiß, beides am letzten Sonntag vergessen. Mach ich heute noch.) und an der Webseite rumzuschrauben.

Angenehme Ausnahmen von diesem Arbeitsalltag sind zum Beispiel Einkaufstouren für Kostüme mit Antigone oder dem Boten, die oft stundenlangen Besprechungen mit dem Bühnenbildner, der Pressesprecherin und dem Stimmtrainer oder auch die „Spaß mit Styropor“-Tage, an denen ich Teile des Bühnenbilds bastele, um eine engere Verbindung mit diesem einzugehen. Ebenfalls schön war es, sich gestern im olympischen Reitstadion einen Teil der Fünfkampf-WM anzusehen, da dort ein Treffen mit einem Techniker stattfand.

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