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Memoiren eines Boten V – königliches Tête-à-tête

12. August 2007 (21:35:35) | Proben | Von: Alessa

Der Bote alias Alessa TschaftaryEndlich, nach langen Wochen Urlaub wieder die erste Probe – und sogar eine außerplanmäßige, nur mit mir dem Boten und Kreon. Warum? Na ja, ich muss gestehen, meine „Ferien“planung lief nicht so reibungslos wie vorausgesehen, ich werde diverse Sonntage, die ich eigentlich für Proben eingeplant hatte, im Krankenhaus beim Arbeiten verbringen müssen. Gut, dass ich so verständnisvolle Kollegen habe, die auch mal (für mich bitter nötige) Extraproben mit mir machen.

Diese Probe fiel besonders gemütlich aus, weil wir ja nur zu zweit waren, und deshalb kein Probenraum von Nöten war – sie fand in Kreons Wohnzimmer statt, auf dem schönsten Teppichboden, der je für nackte Füße gemacht worden war: einem roten Flokati. Kreon und Bote(Es ist also nicht verwunderlich, dass ich barfuß geprobt habe – obwohl ich sagen muss, ich probe am liebsten barfuß, auch auf dem schönen Parkett im Probenraum. Allerdings graust es mir schon vor den kalten Novembertagen…) Los ging es wieder mit Abklopfen und Einsprechen, und dann mit dem ersten Epeisodion, weil wir, laut Regisseur, ja beide „so sehr auf Chronologität“ stünden (Lüge, ich mag die zweite Szene viel lieber – aber egal). Na gut. Ich musste feststellen, dass ich meinen Text leider doch nicht so gut gelernt hatte, wie gedacht. Aber nach diversen Durchgängen war es ganz ok, denke ich, auch wenn ich die zweite Hälfte des Textes ablesen musste. Hmpf. (Soviel zum berüchtigten fotografischen Gedächtnis der Medizinstudenten…) Die Stychomytien (schreibt man das so? na, die schnelle Wechselrede eben – edit: der Herr und Meister hat laut geseufzt und mich gerügt, es heißt „Stichomythien“) waren jedenfalls sehr lustig. Und ich habe dran gedacht, die meisten Worte auf -ig auch auf -ich zu sprechen. Nach bösen Blicken Kreons zumindest.

Dann Pause und das sechste Epeisodion, dessen erste paar Zeilen ich im Sprechtraining bis zum Erbrechen geübt und somit netterweise schon auswendig konnte. Mit Betonung. Stimmgott Kreon war sehr stolz, dass unser Herr und Meister nur wenig daran auszusetzen hatte. Ich auch. Die lange Erzählung um Hämons Tod war dann weder auswendig noch perfekt, aber nach der freien Erzähl-Übung des letzten Probens (und ob der Abwesenheit Eurydices) gut genug, um sie nur einmal durchzugehen. Das Ende war ein bisschen problematisch (wie komme ich bitte innerhalb ein paar Sätzen von traurig-mitleidig zu hämisch-anklagend? ach ja, ich war ja schizophren…) aber unser Regisseur zeigte sich dann doch recht zufrieden.

Der kecke BoteSchlussendlich noch die zweite Szene, die wir meiner Meinung nach jetzt am häufigsten geprobt hatten – und endlich die, deren Text ich tatsächlich konnte! Doch, das war sehr schön. Die kecke Botenszene. :) Und nachdem wir dann sowieso schon sehr lange und ohne größere Pause geprobt hatten, war damit auch der offizielle Teil beendet, und der gemütliche inoffizielle Teil konnte beginnen.

Der Bote, 12/08/07

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