… gewinnt immer mehr Macht über mich. Den Eindruck hat mir jedenfalls die Probe letzten Sonntag vermittelt. Langsam aber sicher verstehe ich, was in Antigone vorgehen könnte. Welche Zwiespältigkeit sie quält, wie hin und her gerissen sie ist …
Fast pünktlich erschien ich am Theaterhaus Mitte, wo bereits ALLE versammelt waren. Nicht dass Roman diesmal nur pünktlich gewesen ist (wie sehr ihn das mitgenommen hatte, sah man an seinen Augenringen) – nein! Er hatte sogar Verspätung [Anm. des Regisseurs: Gemeint ist sicherlich Verstärkung.] mitgebracht. Ein Zuschauer sollte uns beehren, was wir selbstverständlich sehr begrüßen – und IHN auch, selbst wenn das erst mal nur durch einen „kalten“ Händedruck geschieht
Unser Raum war dieses Mal leider nicht sehr vorteilhaft; es war relativ schummrig, die Akustik war nicht gut und es gab kein Klavier. Dennoch waren wir wie immer hoch motiviert und begannen sogleich mit dem Einsprechen, welches Roman mit gewohnter Professionalität übernahm. Nachdem wir uns ausgeschüttelt und unsere Gesichtsmuskeln durch Abklopfen und leichtes Massieren gelockert hatten, sollten wir uns eine Geschichte über einen auf einer einsamen Insel gestrandeten Mann ausdenken, wobei einer mit einem Satz begann, einen anderen von uns anschaute, damit dieser dann die Geschichte spontan fortsetzen konnte. Das klappte ganz gut, aber dann erhöhte Roman den Schwierigkeitsgrad dieser Übung, indem wir gleichzeitig im Raum herumlaufen sollten. Somit bekam keiner mehr das Zeichen (also den Blick des anderen) zum Weiter-Erzählen. Man musste sich auf sein Gefühl verlassen und trotzdem schnell reagieren. Nach einer Weile funktionierte auch dies, da jeder irgendwann intuitiv wusste, wann er an der Reihe war. Das Ergebnis war eine amüsante Geschichte, die am Ende schon ins Morbide abdriftete. Menschen, die von einer herabfallenden Kokusnuss getötet werden, Maden, verkohlte Flugzeug-Leichen zum Frühstück… Das hätte man mitschreiben sollen
Es folgte die Probe meines Prologs, in dem ich die Rolle der Ismene sozusagen übernehme, indem ich ihren Part als inneren Konflikt austrage. Das war sehr aufschlussreich, und richtig gut ist es vor allem auch deswegen, weil Benedict die tolle Idee hatte, diesen Teil des Stücks als abwechselnd geflüsterte und laute Passagen zu sprechen.
Mehr »