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Monat: Juli 2007

Memoiren eines Boten II

09. Juli 2007 (00:38:40) | Proben | Von: Alessa

Der BoteHeute war die erste richtige Probe. Die Räumlichkeiten sind toll, großer Saal mit Parkettboden, großen Fenstern und hoher Decke, genau richtig um durch den Raum zu tanzen, Standbilder darzustellen, Raumwahrnehmungsübungen zu machen (stellt euch vor ihr seid in Theben, hier ist der Palast, da die Hügel…) und uns gegenseitig und zu unserer Rolle in Beziehung zu setzen.

Alle waren da, wenn auch unterschiedliche zu unterschiedlichen Zeiten und manche mit königlicher Verspätung (ich will ja keine Namen nennen *räusper* Kreon *räusper* ;-) ) und wir haben glaube ich ziemlich viel geschafft. Antigone war wirklich klasse (schon im Interview, so überzeugend, wir mussten uns teilweise kringeln vor lachen), Kreon selbst verschnupft stimmlich wundervoll wie immer und Hämon konnte sogar schon Text auswendig! Ich glaub ich hab mich auch nicht schlecht geschlagen, zumindest haben unserem Herrn und Meister einige Sachen so gefallen, wie ich sie gesagt habe. Außerdem finde ich es sehr erstaunlich, wie viel mehr Sinn der Text gewinnt, wenn man ihn “auf der Bühne” spricht. Hölderlin ist eigentlich doch ganz nett, wenn man sich erst mal an seine Grammatik gewöhnt hat. Und das zweite Epeisodion ist einfach eine tolle Boten-Szene. *g* Ehrlich gesagt, der Bote ist eine klasse Rolle. Sehr kess.

Unsere Pressekönigin Eurydice hat ganz viele tolle Fotos gemacht, noch nicht die offiziellen (dafür haben wir noch keine geeignete Kamera) aber sehr schöne von der Probe und den Übungen. Der Herr und Meister wird sie sicher demnächst veröffentlichen.

Ich freu mich jedenfalls schon sehr auf Dienstag (die nächste Lektion in antiker Dramentheorie), nächsten Sonntag (Probentermin für die wunderbaren Boten-Epeisodien eins und sechs) und das langerwartete Stimmtraining mit Kreon, dem König aller Sprecher. Vielleicht schaff ich es bis dahin sogar, Teile meines Textes auswendig zu können… *g*

Der Bote, 09/07/07

Die erste Probe

08. Juli 2007 (23:25:31) | Proben | Von: Mandy

Antigone zeigt was sie draufhatDrei Minuten nach 10 Uhr kam ich beim Theaterhaus Mitte an. Schon vom Weiten sah ich den Boten und meinen Verlobten. Ich gesellte mich zu ihnen, als wenig später Benedict kam, der sich nach der Raumnummer erkundigt hatte. Gut gelaunt und voller Tatendrang warteten wir noch eine Weile auf Kreon, der ein wahrhaft köniCHliches ;-) Verhalten an den Tag legte… Somit gingen wir erst einmal nur zu dritt nach oben, um die Räumlichkeiten, in denen wir uns nun sechs Stunden aufhalten sollten, zu begutachten. Nachdem kurz der Ablauf besprochen wurde, fingen wir mit kreativen Übungen an, uns einzuspielen und uns in unsere Rolle einzufühlen. Benedict führte mit jedem von uns ein improvisiertes Interview, in dem deutlich wurde, dass jeder schon ein ziemlich genaues Bild von seiner Rolle hat. (Auch der König musste sich später dem Athener stellen und ihm Rede und Antwort stehen.)

Ein Standbild sollte zum Ausdruck bringen, in welchem Verhältnis die Darsteller jeweils zueinander stehen. Ja, ja… Erst noch herrscht Harmonie, doch die Distanz wird schneller größer, als man glaubt…

Harmonie zwischen Antigone und Haimon

Distanz zwischen Antigone und Haimon

Es folgte das Durchspielen einzelner Szenen, wobei wir zwar alle noch auf unsere Texte angewiesen waren, sich aber zeigte, dass sich bereits jeder mit seiner Rolle angefreundet und auseinandergesetzt hat. Trotz der Konzentration, mit der alle Schauspieler bei der Sache waren, wurde viel gelacht und herumgealbert. Doch unser Regisseur schaffte es immer wieder, uns zur Raison zu bringen ;-)

Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich immer mehr mit Antigone identifizieren kann; bin ja auch manchmal ein ganz schöner Trotzkopf ;-) Es macht riesigen Spaß, die Rolle zu gestalten und ihr neue Facetten abzugewinnen. Zum Beispiel stellte sich mir im Verlauf der Probe die (ernsthafte) Frage, ob “ich” mich nicht im falschen Körper befinde…

Die Pausen versüßten uns buchstäblich die mitgebrachten Schoko-Mikados (die sich wunderbar zum Umrühren von Kaffee eignen), die innerhalb kurzer Zeit verputzt waren. Mehr »

Wir haben einen Plan!

05. Juli 2007 (13:29:55) | Proben | Von: Benedict

Es gab ja schon zwei sehr unterschiedliche Sichtweisen auf unsere Leseprobe. Ich möchte als Regisseur natürlich auch meine darlegen. Da ich natürlich bereits ungefähre Vorstellungen im Kopf, bzw. mir bereits die Aufführungen zusammenphantasiert hatte, wurde ich von der Leseprobe erstmal kräftig desillusioniert. Ich musste meine Phantasie weit in den letzten Winkel meines Hinterkopfs zurückdrängen und mir immer wieder bewusst werden, dass es noch nicht darum geht, ein fertiges Produkt zu beurteilen, sondern nur Potentiale zu erkennen. Und diese waren reichlich vorhanden. Die Rollen, die wir zunächst provisorisch festgelegt hatten, wurden ausnahmslos bestätigt, unser Team steht fest. Im folgenden werde ich alle Beteiligten daher auch mit ihrem Rollennamen ansprechen.

Eine positive Überraschung war, dass wirklich alle Beteiligten bereits ein “Fachgebiet” aufweisen konnten, wodurch wir uns auf bei den Proben vorerst auf andere Bereiche konzentrieren können. Damit meine ich: Kreon, der das Leiden so authentisch darstellen kann, dass einem fast die Tränen kommen können. Unser Bote, der die dramatische Ironie – trotz gelegentlicher Lachanfälle – besonders gekonnt zum Ausdruck brachte. Eurydice, die sich mit bitterem Ernst über eine gewisse Lächerlichkeit, die ihrer Rolle innewohnt, hinwegsetzte: “Ihn Unmacht fall ich itzt noch einmal”… Tiresias, der die Rolle des Sehers auch im wirklichen Leben gelegentlich einzunehmen scheint. Hämon, Meister der Naseweisheit. Und – wie könnte ich sie vergessen? – unsere Antigone, die sich auf trotzige Rebellion versteht, wie keine andere.

Tiresias und Kreon im trauten ZwiegesprächIch bin sehr froh, dass unser Sprechtrainer Roman alias Kreon auf langjährige Erfahrung als professioneller Sprecher zurückblicken kann, und so eine wertvolle Unterstützung für mich und das gesamte Team darstellt. Roman ging nach unserer Leseprobe individuell auf alle Schauspieler (im Bild: Tiresias, Anklicken zur Vergrößerung) ein, um ihnen Schwächen, Stärken und Auffälligkeiten zu benennen, während ich zuvor schonmal ein diffuses “Es klingt nicht so gut, weil, ja, äh, vielleicht zu wenig Pathos?” äußern musste, was natürlich zu keinerlei Verbesserung führen konnte ;-) .

Bühnenbildner und Regisseur in ihrer eigenen SphäreUnser Bühnenbildner Michael hat mich mit einigen seiner Ideen überrascht. Kinderpuppenköpfe sollen die Bühne bedecken, um die Ahnen aus der Antike darzustellen, das Bühnenbild soll aber gleichzeitig beweglich sein, um als Cleavage-Metapher die Distanz gegenseitiger Pole zu objektivieren. Als Beleuchtung kommt natürlich ebenfalls nur eine ganz spezielle in Frage ;-) , usw… Zum Glück konnte ich ihn von den abstrusesten Einfällen abbringen, andere dagegen hielt ich für sehr interessant.

Nach der Leseprobe wurden Termine abgesprochen, so dass wir jetzt einen Probenplan haben, der im Downloadbereich eingesehen werden kann. Mehr »

Inzest und griechische Götter

04. Juli 2007 (16:02:14) | Proben | Von: Annika

Die Leseprobe ist gemeistert. Trotz viel Gelächter und Herumalbern konnten wir die meiste Zeit konzentriert arbeiten. Wie erwartet hat es fast 5 Stunden gedauert, den Text komplett zu lesen, über Betonungen und Aussprache zu diskutieren und Bedeutungsschwierigkeiten zu klären.

Letzteres ist und bleibt vermutlich die schwierigste Angelegenheit bei der Textarbeit. Offensichtlich herrschte bei den alten Griechen ein weitaus höheres Kulturverständnis als wir es heute gewohnt sind. Kleinste Verweise auf mir völlig unbekannte Namen ziehen einen ganzen Streich an Geschichte hinter sich her. Allein schon Antigones Stammbaum – puh! Und ich hatte meine Familienverhältnisse für schwierig gehalten…
Zum Glück kennt unser Regisseur sich so gut in der griechischen Mythologie aus, dass er uns über alle wichtigen Hintergründe informieren kann. Trotzdem habe ich mir vorgenommen, selbst noch die beiden der Antigone vorausgehenden Werke (‘Ödipus auf Kolonos’ und ‘Sieben gegen Theben’) zu lesen um einen Überblick zu erhalten. Ich frage mich nur, wie das bei unseren Zuschauern ankommt. Schließlich kennen die sich nicht alle so gut in der Geschichte Griechenlands aus. Es muss doch möglich sein, so etwas auf der Bühne darzustellen, oder? Ein paar Ideen sind ja schon entwickelt – ich möchte aber nicht zu viel verraten.

Wie wäre es, bereits im Voraus eine kleine Übersicht über die Hintergründe der Geschichte zu veröffentlichen?

Memoiren eines Boten I

04. Juli 2007 (00:57:38) | Verschiedenes | Von: Alessa

Heute war die zweite Antigone 2.0 Vorbesprechung. Sonntag geht es endlich mit den Proben los. Der Bote ist eine tolle Rolle, ich finde sie passt gut zu meinem Charakter. Obwohl, an der Todesnachrichten-Überbringung muss ich noch arbeiten. Lachen ist wohl unpassend…

Der Stimmtrainer meint, ich muss noch viel lernen. Ok, er hat es ein bisschen netter ausgedrückt. Ich habe Potential, mich zu verbessern. Gut, das glaub ich mal. Ich hab es schließlich auch geschafft, meinen schwäbischen Dialiekt loszuwerden. (Hey, das war nicht einfach!) Und ich muss ja ganz ehrlich sagen, ich hatte die Stellen teilweise nur einmal durchgelesen und war mir nicht ganz im Klaren über die Bedeutung des Textes. Hölderlin ist einfach… Hölderlin. (Und wer das jetzt nicht versteht, lest mal eines seiner Gedichte. Oder seine Antigone-Übersetzung. Jetzt mal ehrlich, das ist schlimmer als Shakespearian English…)

Ich hab ein paar Vorschläge für das Bühnenbild gemacht. Der Herr und Meister war nicht so sehr begeistert, aber ich glaube unserem Herrn Bühnenbildner könnten sie evtl. gefallen haben. Ich fand sie natürlich ganz toll. Und durchsetzbar. Aber wir werden sehen. Ich muss auch noch schauen, ob ich es durchgesetzt bekomme, eine schwarze statt einer weißen Bluse zu tragen.

Der Bote, 04/07/07