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Totale Transparenz

10. Juli 2007 (17:10:38) | Neuigkeiten | Von: Benedict

Heute will ich beginnen wahrzumachen, was ich bereits einigen aus dem Team versprochen habe und worin sich unser Projekt von anderen Theaterstücken unterscheiden soll: Die angekündigte „totale Transparenz des Probenprozesses“. Dazu gehört der neue Bereich „Proben“, auf dem man in Zukunft alle Probenfotos und weitere Informationen finden wird. Mein Lieblingsfoto will ich nochmal hervorheben: Unsere Antigone erhängt sich selbst.

Antigones Tod

Zur Probe selbst haben wir ja schon zwei ausführliche Berichte. Ich würde gerne ergänzen, dass ich meinen Schauspielern für ihre Disziplin sehr dankbar ist. Wir haben sechs Stunden geprobt, zwischendrin nur kurze Pausen gemacht und doch konnte konzentriert und ernsthaft gearbeitet werden – bis auf eine kurze Szene, in der Antigone Hämon tatsächlich mit einem Netzwerkkabel ausgepeitscht hat.

Notizen des BühnenbildbesprechungstreffensAußerdem möchte ich einen kurzen Einblick in meine Tätigkeiten der letzten drei Tage liefern. Da wäre einmal das Bühnenbildbesprechungstreffen (langes Wort, langes Treffen! Unsere Notizen dazu im Bild links) mit Michael. Nach der Probe am Sonntag haben wir uns bei mir zu Hause zusammengesetzt und wirklich jedes einzelne Detail des Bühnenbildes ausdiskutiert. Beispielsweise die Art und Weise, wie die Austauschbarkeit der Angestellten in traditionellen Arbeitswelten dargestellt werden soll: Wir haben uns darauf geeinigt, dass ich (ja, ich!) während der Aufführung in Spiegelschrift (!) die Namen der Rollen aus unserem Stück auf eine Plexiglaswand schreibe, bzw. wieder auswische. Eine weitere große Frage war, wie der Zuschauer schon beim Betreten des Theaterraums eingebunden und angesprochen werden kann. Wir haben uns auf einen Vorhang aus Netzwerkkabeln geeinigt. Insgesamt werden für die Aufführung nach ersten Hochrechnungen ca. 223 Meter solcher Kabel, 12 Bürostühle, 20 Liter destilliertes Wasser und noch einiges mehr benötigt.

Ein Theorieteil der ProbeAm Montag morgen habe ich mich dann mit Buchhaltung beschäftigt und immer wieder Zahlen hin- und herjongliert. Was wenn nur wenige Leute kommen? Wie viele Postkarten und Plakate brauchen wir wirklich? Wie teuer sollte das Programmheft sein? Welche Kostüme leihen wir, welche fertigen wir selbst an, welche kaufen wir? Mitten in diesen Überlegungen, die ergeben haben, dass das Projekt – mit einer realistischen Anzahl von Sponsoren – durchführbar ist (gut, dass wir das geklärt haben 😉 ), klingelte Annika (links endlich mal ein Foto von ihr; sie ist rechts vorne im Bild) an meiner Tür mit einem Entwurf einer Pressemitteilung, die das Blog- und Transparenzkonzept darstellen soll, sowie vielen guten Ideen zur PR-Arbeit. Sehr gerne würden wir beispielsweise nach den Sommerferien mit einer interessierten Berliner Schulklasse zusammenarbeiten, d. h. wir laden sie zu einer Probe ein. Wir hoffen, die Schüler so für den antiken Stoff interessieren zu können, bieten ein Gespräch mit dem Regisseur nach der Probe an und sind auch für Kritik offen. Schülermund tut schließlich Wahrheit kund.

Heute Abend um 19:00 Uhr findet eine Besprechung zu organisatorischen Aspekten, aber auch zum zeitgenössischen Kontext unserer Inszenierung statt. Mir ist es wichtig, dass Antigone dem Publikum nicht völlig fern erscheint, sondern dass uns ein Brückenschlag zu unserer eigenen Lebensrealität gelingt.

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