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Wir haben einen Plan!

05. Juli 2007 (13:29:55) | Proben | Von: Benedict

Es gab ja schon zwei sehr unterschiedliche Sichtweisen auf unsere Leseprobe. Ich möchte als Regisseur natürlich auch meine darlegen. Da ich natürlich bereits ungefähre Vorstellungen im Kopf, bzw. mir bereits die Aufführungen zusammenphantasiert hatte, wurde ich von der Leseprobe erstmal kräftig desillusioniert. Ich musste meine Phantasie weit in den letzten Winkel meines Hinterkopfs zurückdrängen und mir immer wieder bewusst werden, dass es noch nicht darum geht, ein fertiges Produkt zu beurteilen, sondern nur Potentiale zu erkennen. Und diese waren reichlich vorhanden. Die Rollen, die wir zunächst provisorisch festgelegt hatten, wurden ausnahmslos bestätigt, unser Team steht fest. Im folgenden werde ich alle Beteiligten daher auch mit ihrem Rollennamen ansprechen.

Eine positive Überraschung war, dass wirklich alle Beteiligten bereits ein „Fachgebiet“ aufweisen konnten, wodurch wir uns auf bei den Proben vorerst auf andere Bereiche konzentrieren können. Damit meine ich: Kreon, der das Leiden so authentisch darstellen kann, dass einem fast die Tränen kommen können. Unser Bote, der die dramatische Ironie – trotz gelegentlicher Lachanfälle – besonders gekonnt zum Ausdruck brachte. Eurydice, die sich mit bitterem Ernst über eine gewisse Lächerlichkeit, die ihrer Rolle innewohnt, hinwegsetzte: „Ihn Unmacht fall ich itzt noch einmal“… Tiresias, der die Rolle des Sehers auch im wirklichen Leben gelegentlich einzunehmen scheint. Hämon, Meister der Naseweisheit. Und – wie könnte ich sie vergessen? – unsere Antigone, die sich auf trotzige Rebellion versteht, wie keine andere.

Tiresias und Kreon im trauten ZwiegesprächIch bin sehr froh, dass unser Sprechtrainer Roman alias Kreon auf langjährige Erfahrung als professioneller Sprecher zurückblicken kann, und so eine wertvolle Unterstützung für mich und das gesamte Team darstellt. Roman ging nach unserer Leseprobe individuell auf alle Schauspieler (im Bild: Tiresias, Anklicken zur Vergrößerung) ein, um ihnen Schwächen, Stärken und Auffälligkeiten zu benennen, während ich zuvor schonmal ein diffuses „Es klingt nicht so gut, weil, ja, äh, vielleicht zu wenig Pathos?“ äußern musste, was natürlich zu keinerlei Verbesserung führen konnte ;-).

Bühnenbildner und Regisseur in ihrer eigenen SphäreUnser Bühnenbildner Michael hat mich mit einigen seiner Ideen überrascht. Kinderpuppenköpfe sollen die Bühne bedecken, um die Ahnen aus der Antike darzustellen, das Bühnenbild soll aber gleichzeitig beweglich sein, um als Cleavage-Metapher die Distanz gegenseitiger Pole zu objektivieren. Als Beleuchtung kommt natürlich ebenfalls nur eine ganz spezielle in Frage ;-), usw… Zum Glück konnte ich ihn von den abstrusesten Einfällen abbringen, andere dagegen hielt ich für sehr interessant.

Nach der Leseprobe wurden Termine abgesprochen, so dass wir jetzt einen Probenplan haben, der im Downloadbereich eingesehen werden kann. Es gab auch diesmal wieder einen inoffiziellen Teil mit Wein, Weib und Gesang (oder so):

Der Bote und Haimon amüsieren sich über den Text

Antigone, Eurydice und der Bühnenbildner

Kreon und Miriam

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